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Ich betrachte jeden Menschen als komplexes Wunderwerk

Ich betrachte jeden Menschen als komplexes Wunderwerk

Ich betrachte jeden Menschen als komplexes Wunderwerk

Wie sieht unser Alltag aus? Morgens gibt es vielleicht ein schnelles Frühstück im engsten Familienkreis, bevor spätestens um neun Uhr schon das Büro oder das Homeoffice mit einer Menge To-dos und Konferenzen wartet. Für die nötige Bewegung sorgt der Fitnesskurs nach Feierabend und den Abend lassen wir bei einem gemeinsamen Essen mit Freunden ausklingen. Als soziales Wesen balancieren wir tagtäglich zwischen mehreren Welten. Wir bewegen uns unterbewusst und selbstverständlich in verschiedenen sozialen Gefügen, auf die wir uns immer wieder neu einstellen müssen. Dieses hochsensible System greift nicht immer perfekt ineinander. Ist das Zusammenspiel gestört, gerät das System ins Wanken und Probleme schleichen sich ein. Je nachdem wie tiefgreifend ein System gestört ist, kann das schwerwiegende Folgen für die mentale Gesundheit haben.

Das Gespräch mit Andrea Frontzek, Systemische Kinder- und Jugendtherapeutin, Coach, Achtsamkeitstrainerin, Yoga- und Meditationslehrerin und Dozentin bei campus naturalis, geführt und aufgeschrieben von Wiebke Semm.

Hinfallen, aufstehen, weitermachen

Noch bevor Andrea Frontzek die Schule beendete, stand für sie ihr beruflicher Werdegang eigentlich schon fest. Bereits während ihres Abiturs studierte sie klassischen Tanz, Ballett und Modern. „Ich habe als Solistin gearbeitet, das Tanzen war meine absolute Leidenschaft“, erinnert sie sich lächelnd zurück. Ein plötzlicher Unfall, ein unglücklicher Treppensturz, beendete ihre Karriere jedoch abrupt. „Ich habe mir die Bänder auf beiden Seiten gerissen, das war für mich das Aus.“

Mit Mitte 20 musste die junge Frau hinter ihre Tanzkarriere also einen Haken setzen und sich auf etwas vollkommen Neues einlassen. Das Tanzparkett und die Bühne wurden durch Bibliothek und Hörsaal eingetauscht. Andrea weiß, dass sie damals trotz ihres tragischen Unfalls viel Glück gehabt hat. „Ich hatte schon früh eine Vorstellung davon, was mich interessiert und hatte Eltern, die mich unterstützt haben. Heute fehlt es vielen Kindern und Jugendlichen leider an einer konkreten Vision.“ Ihr Studium der Psychologie, Literatur und Philosophie ergänzte Andrea durch eine Heilpraktiker Ausbildung in Psychotherapie. Heute arbeitet sie alssystemische Kinder- und Jugendtherapeutinund hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Jüngsten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und durch schwierige Lebensphasen zu begleiten.

Welche Ziele verfolgt die Systemische Therapie?

Während Klient*innen in Gesprächstherapien kognitiv sehr viel arbeiten müssen, war es Andrea von Beginn an ein Anliegen, ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln. „Ich begann mich zu fragen, wie ich meine Klient*innen vom Denken zum Fühlen bewegen konnte“, erklärt sie. „Den meisten Klient*innen ist ihr Problem durchaus bewusst, dennoch schaffen sie es nicht, aktiv etwas an ihren Prozessen zu ändern.“ Körper, Geist und Seele müssen gleichwertig in die Therapie miteinbezogen werden, um Erfolge zu verzeichnen – davon ist Andrea überzeugt. „Die Familie meines Vaters ist aus der Mongolei, dadurch war ich immer eng mit Buddhismus, Meditation und Yoga verwoben.“ Und so war es nur natürlich, dass Andrea, die ganz nebenbei auch noch ein eigenes Yoga-Studio betreibt, immer mehr dieser Elemente in ihre Therapiegespräche mitnahm. Die buddhistisch systemische Psychotherapie war geboren.

Yogain der Therapie bedeutet dabei aber nicht, gelenkig sein zu müssen oder halsbrecherische Übungen auf der Matte zu machen. Das können ganz simple Bewegungen sein. Wer sich z.B. mehr Balance im Leben wünscht, kann eine Balancehaltung einnehmen und dann am eigenen Körper spüren, was es braucht, um nicht umzufallen.“ Dabei können die Füße etwa hüftbreit stabil auf dem Boden stehen, der Oberkörper hingegen kann sich frei bewegen und leicht schwingen. „Unten Verwurzelung und Stabilität und oben Flexibilität – Das nennt man das Bambusprinzip“, veranschaulicht Andrea. Mithilfe der verschiedenen Übungen wird ein Zugang zum inneren Kind hergestellt, das sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen entscheidend für die eigenen Persönlichkeitsmuster ist.

Für wen ist die Systemische Therapie passend?

Die systemische Therapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren und hat ihren Ursprung in der Familientherapie, die sich in den 50er Jahren etablierte. Die Systemik unterscheidet sich von der Gesprächstherapie insbesondere dadurch, dass der Mensch in seinem komplexen Gefüge, als Teil verschiedener größerer und kleinerer Systeme betrachtet wird. „Ich denke, dass die Systemik für Kinder und Jugendliche die idealste Therapieform ist“, sagt Andrea überzeugt. Wo andere Therapieformen meist weit in die Vergangenheit zurückgehen, konzentriert sich die Systemik eher darauf:

  • den gegenwärtigen Zustand der/des Klient*in zu verbessern und
  • positive Anreize für die Zukunft zu schaffen.

Dafür bedient sich dieSystemik einer Vielzahl therapeutischer Methoden– von der systemischen Befragung über verschiedene Kreativverfahren bis hin zu Bewegungseinheiten. „Ich betrachte jeden Menschen als komplexes Wunderwerk“, gibt Andrea zu verstehen und strahlt. „Der zutiefst humanistische Ansatz ist wichtig, denn schließlich hat jeder seine eigene Biographie und eigenen Ressourcen. Demnach macht es auch Sinn, die Therapie an den Klienten anzupassen und nicht umgekehrt.“ In den Sitzungen gibt es daher keinen vorgeschriebenen Weg, kein richtig oder falsch.

„Der Mensch steht im Mittelpunkt und nicht seine Probleme“, hebt Andrea den lösungsorientierten Ansatz hervor. Sich als Person von seinem Problem zu distanzieren und sich klarzumachen, dass man nicht nur aus diesem Problem besteht, ist für Andrea einer der ersten Schritte zur Heilung. Während der Therapie lernen ihre Klient*innen, dass sie dazu in der Lage sind, ihre Gedanken zu kontrollieren und selbsterfüllende Prophezeiungen, sogenannte Affirmationen, zu erzeugen. „Ich glaube, dass jeder Mensch die Lösung für sein Problem in sich trägt, manchmal muss man die aber erst einmal entdecken.“

Welche systemischen Methoden gibt es?

Ein großer Teil der eigenen Persönlichkeit und Verhaltensweise ist auf Glaubenssätze zurückzuführen. Dabei unterscheidet man zwischen positiven Glaubenssätzen, die uns in unserer Entwicklung helfen und gut durchs Leben bringen, und negativen, die uns hemmen und zweifeln lassen:

  • „Ich bin wertlos“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“
  • „Ich schaffe das nicht“

– sind Glaubenssätze mit negativer Wirkung. „Negative Glaubenssätze liegen uns wie Steine im Weg. Dann muss man prüfen, ob die heute überhaupt noch ihre Berechtigung haben“, erklärt Andrea die Herangehensweise. Mithilfe von Umformulierungen wird dann an den Glaubenssätzen geschraubt, so lange bis sie ins Positive gekehrt werden. „Bei Erwachsenen, die schon seit Jahrzehnten mit ihren Glaubenssätzen leben, ist das schwieriger als bei kleinen Kindern. Hier besteht die Chance, die negativen Assoziationen frühzeitig durch positive zu ersetzen.“ Eine weitere Besonderheit also, die für Andrea die Arbeit mit Kindern so spannend macht. Vorausgesetzt die Eltern ziehen am selben Strang. „Ich habe immer auch Elterngespräche, wo ich vorsichtig nachhorchen muss, was Zuhause schiefläuft, da das Kind bei mir in der Praxis keine Auffälligkeiten zeigt. Dann besprechen wir gemeinsam, was geändert werden muss, damit es nicht mehr eskaliert und es dem Kind besser geht.“

Sich seiner Fähigkeiten und Ressourcen bewusst zu sein, ist für die Systemikerin ein weiterer wichtiger Baustein, um Heilung zu erfahren. Sogenannte Ressourcenbäume oder auch Ressourcensaurier für die Kleinsten führen den Klient*innen ihre Stärken und Talente vor Augen. Trotzdem stößt auch Andrea immer wieder auf Widerstand. Kinder und Jugendliche, die depressive Symptome zeigen, sind wegen mangelnder Bewältigungsstrategien oft sehr dramatisch im eigenen Empfinden. „Wenn sich Jugendliche z.B. von ihrer ersten großen Liebe trennen, dann ist das für die das Ende der Welt. Und diese Gefühle sind real, das müssen wir als Erwachsene ernstnehmen“, veranschaulicht Andrea. Um aus dieser Abwärtsspirale herauszukommen, kann die sog. Wunderfrage zu einer positiven Sichtweise verhelfen. „Die Wunderfrage ist der Joker unter den Systemischen Fragen, die wende ich an, wenn nichts mehr geht.“ Die Wunderfrage ist dabei viel mehr ein Gedankenexperiment als eine bloße Fragestellung. Das Kind oder die/der Jugendliche wird dazu angeregt, außerhalb des bisherigen Musters zu denken:

Wir versuchen uns vorzustellen, dass das Problem über Nacht weggezaubert worden ist und konstruieren dann den nächsten Tag:

  • Was wäre anders?
  • Was würde sich besser anfühlen?
  • Wer würde das merken?

Die Wunderfrage bietet sich an, um eine neue Sichtweise zu erlangen und sich vor Augen zu führen, dass es trotz der aktuellen schwierigen Situation auch tolle Momente gibt.

Vor welchen Herausforderungen stehen Kinder- und Jugendliche während der Pandemie?

„Aktuell leiden wir alle. Kinder und Jugendliche jedoch anders als Erwachsene. Das liegt u.a. daran, dass jüngere Menschen noch nicht so viele Bewältigungsstrategien an die Hand bekommen haben.“ Andrea beobachtet insbesondere beim aktuellen Homeschooling viel Problempotenzial:

  • Mehrere Kinder einer Familie müssen sich für das Homeschooling einen PC teilen.
  • Rückfragen können nur über E-Mail gestellt werden.
  • Schüler und Schülerinnen sind sich häufig selbst überlassen.
  • Je nach Elternhaus, Wohnverhältnissen und Unterstützung kommt es zu einem sozialen Ungleichgewicht.
  • Kinder können dadurch benachteiligt sein und verharren auf unterschiedlichen Bildungsständen.

Bei Jugendlichen sieht Andrea vor allem die Schwierigkeit darin, eine eigene, starke Persönlichkeit zu entfalten. „Es fehlt die Peer-Group – andere Gleichaltrige, denen man sich zugehörig fühlt oder an denen man sich aufreibt“, erklärt sie. Die Pubertätskrise, in der man sich mit den engsten Menschen (Eltern, Geschwister, Freunde) auseinandersetzt, sei noch einmal schwieriger zu überstehen, wenn Gleichgesinnte nicht verfügbar sind. „Diese soziale Komponente ist für unsere Kinder und Jugendliche besonders tragisch.“ Um den Corona-Alltag souverän zu bewerkstelligen, sei es wichtig trotzdem so viel sozialen Austausch wie möglich zu realisieren. Mit dem Kumpel joggen zu gehen, zu telefonieren oder sich virtuell über die Sozialen Netzwerke zu verabreden, sei immer noch besser, als im stillen Kämmerchen zu sitzen. „Auch ich habe gemerkt, dass über Videokonferenzen viele Emotionen möglich sind, davon sollte man unbedingt Gebrauch machen.“



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