Assistenz auf vier Pfoten

Assistenz auf vier Pfoten

Assistenzhunde am Arbeitsplatz ermöglichen die Teilhabe von Menschen mit BeeintrĂ€chtigungen am Berufsleben 

Labrador Molly warnt ihr Herrchen, wenn sein Blutzuckerwert unter 70 oder ĂŒber 250 steigt. Pudelmischling Pacco stupst sein Frauchen wenige Minuten vor einem ihrer EpilepsieanfĂ€lle an, so dass sie sich an einen sicheren Platz zurĂŒckziehen kann. Border Collie Damira geht immer vorne raus, öffnet ihrem Halter TĂŒren und betĂ€tigt den Lichtschalter. Der Halter sitzt im Rollstuhl. Und auch fĂŒr Retriever-Dame Sunny ist ein Leben ohne Frauchen undenkbar. Sie ist ihr BlindenfĂŒhrhund. Sehen die Aufgaben der Vierbeiner auch alle unterschiedlich aus, so haben die Hunde eins gemeinsam: Sie gelten gesetzlich als Assistenzhunde – und dĂŒrfen damit offiziell auch mit an den Arbeitsplatz. 

Dass Hunde am Arbeitsplatz Resilienzförderer sein und zum Wohlbefinden der Mitarbeitenden beitragen können, ist nichts Neues. Doch generell liegt es im Ermessen des Arbeitgebers, ob er BĂŒrohunde duldet oder nicht. Bei Assistenzhunden ist das anders. Mit dem TeilhabestĂ€rkungsgesetz hat der Deutsche Bundestag 2021 auch gesetzliche Regelungen zu Assistenzhunden beschlossen. Das Gesetz stĂ€rkt nicht nur die Rechte von Menschen mit Behinderung, sondern enthĂ€lt zugleich Bedingungen, die ein Hund erfĂŒllen muss, um als Assistenzhund zu gelten. 

Was ist ein Assistenzhund? 

Assistenzhunde sind ausgebildete Hunde, die Menschen mit verschiedenen Behinderungen begleiten und ihnen helfen, alltĂ€gliche Aufgaben zu meistern. Sie kompensieren die EinschrĂ€nkungen ihrer Halter:innen und unterstĂŒtzen sie in ihrer SelbststĂ€ndigkeit und Selbstwirksamkeit, z.B. so, dass sie einer BerufstĂ€tigkeit nachgehen können. 

Das Gesetz teilt Assistenzhunde in fĂŒnf Typen ein: 

  • BlindenfĂŒhrhunde:  
    UnterstĂŒtzen sehbeeintrĂ€chtigte oder blinde Personen bei der Orientierung, fĂŒhren und weisen auf Hindernisse hin. 

  • Signal-/Gehörlosenhunde: 
    UnterstĂŒtzen gehörbeeintrĂ€chtigte oder taube Menschen, indem sie akustische Signale durch BerĂŒhrungen weitergeben. 

  • Medizinische Signalhunde: 
    Warnen Menschen mit chronischen Erkrankungen vor gefĂ€hrlichen VerĂ€nderungen, etwa beim Stoffwechsel oder der Psyche. 

  • Servicehunde: 
    UnterstĂŒtzen Menschen bei der MobilitĂ€t, z.B. Rollstuhlbegleithunde. 

  • Kombinationshunde: 
    UnterstĂŒtzen Menschen mit Mehrfachbehinderung. Sie kombinieren Eigenschaften verschiedener Assistenzbereiche. 

Hunde mĂŒssen nicht draußen bleiben 

Anders als BĂŒrohunde mĂŒssen Assistenzhunde am Arbeitsplatz zugelassen werden – das regelt das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG). Ausnahme sind zwingende GrĂŒnde, etwa dann, wenn hygienische Anforderungen es nicht zulassen, dass ein Hund sich in einem Arbeitsbereich aufhĂ€lt, oder Kolleginnen und Kollegen eine Hundehaarallergie haben. 

Das neue TeilhabestĂ€rkungsgesetz von 2021 untersagt öffentlichen Stellen und Betreibenden von Einrichtungen fĂŒr den allgemeinen Publikumsverkehr die Verweigerung des Zutritts fĂŒr ausgebildete Assistenzhunde, die einen Menschen mit Handicap begleiten. Auch hier gibt es Ausnahmen, nĂ€mlich dann, wenn der Zutritt des Assistenzhundes eine unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Belastung darstellen wĂŒrde.  

Fall vor dem Landesarbeitsgericht Mainz 

Willkommen sind Assistenzhunde dennoch nicht ĂŒberall. Das zeigt das Urteil des Landesarbeitsgerichts Mainz. Dort hat eine Frau mit posttraumatischer Belastungsstörungen gegen ihren Arbeitgeber geklagt, der ihr das Mitbringen ihres Assistenzhundes untersagt hatte. Laut Arbeitgeber sei der Hund gefĂ€hrlich und habe die betrieblichen AblĂ€ufe nachhaltig gestört. Vor Gericht erhielt der Arbeitgeber recht: Das Landesarbeitsgericht Mainz begrĂŒndete seine Entscheidung damit, dass es bei der Beurteilung des Tieres nicht darauf ankomme, ob das Hund objektiv gefĂ€hrlich sei, sondern ob er von anderen Mitarbeitenden als bedrohlich empfunden werde und ArbeitsablĂ€ufe störe. 

Der Fall zeigt: Das Gemeinwohl geht ĂŒber das Alleinwohl. Pauschal die Mitnahme eines Assistenzhundes ablehnen, darf der Arbeitgeber nicht. Das ist nicht mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vereinbar, nach dem die Tiere als medizinische Hilfsmittel anerkannt sind. Labrador Molly, Pudelmischling Pacco, Border Collie Damira und Retriever-Dame Sunny hatten am Arbeitsplatz ihrer Halter:innen bisher noch keine Probleme – ganz im Gegenteil. Sie sind dort Teil der Teams, haben ihren festen Platz und sind als Assistenz auf vier Pfoten unverzichtbar und willkommen. 

#Autor#
Vanessa Schäfer
Head of Content

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