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Dark Leader

Dark Leadership: Die dunkle Seite der Führung

Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie in der Chefetage

Wie würden Sie Ihre:n Vorgesetzte:n beschreiben? Ehrlich? Wohlwollend? Authentisch? Vertrauenswürdig? Wertschätzend? Vielerorts sieht die Realität anders aus. In vielen Führungsetagen wimmelt es von Menschen, die gerne im Rampenlicht stehen. Chef:innen, die sich nicht in ihre Mitarbeitenden hineinversetzen können. Cholerische Führungskräfte, die oft grundlos an die Decke gehen. Menschen, die die Lorbeeren der anderen kassieren. Manager:innen, die sich rar machen und Kolleg:innen ignorieren. Vorgesetzte, die ihre Position ausnutzen, um persönliche Ziele zu erreichen.

Die Psychologie spricht hier von “Dark Leader” oder auch “Bad Leader”, kurzum von Führungskräften, die als toxisch erlebt werden und deren Verhalten sich negativ auf die Belegschaft, wenn nicht sogar auf die ganze Organisation auswirken kann. In der Führungsforschung ist zunehmend von der “dunklen Triade der Führungspersönlichkeit” die Rede. Gemeint sind damit die stark ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. 

Eigenschaften fördern den Zugang zur Führungsetage

Dass Menschen mit diesen ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmalen im Leadership sehr häufig vertreten sind, kommt nicht von ungefähr: Schließlich tragen ihre Eigenschaften auch dazu bei, an die Spitze von Unternehmen und Abteilungen vorzudringen. Bis zu einem gewissen Grad mögen Organisationen sogar von solchen Leadern profitieren. Denn man stellt immer wieder fest: Diese Menschen sind vielleicht nicht besonders beliebt, kommen in der Regel jedoch ganz gut durchs Leben und werden selten ausgebremst.

Hören Sie sich in Ihrem Bekanntenkreis um, werden Sie merken, dass so gut wie jede:r schon Erfahrungen mit einem Dark Leader gesammelt hat. Diese dunkle Seite kann sich im Berufsalltag ganz unterschiedlich zeigen. Gemein ist diesen dunklen Führungskräftn jedoch: ein enorm ausgeprägtes egozentrisches Machtmotiv, eine starke soziale Dominanz sowie das Ziel, möglichst weit nach oben zu kommen, weil diese Positionen für Macht, Erfolg, Ruhm und Status stehen. Das klingt banal und so, als würde man die Dark Leader auf den ersten Blick erkennen. Das Problem ist allerdings, dass ihre Vorgehensweisen sehr subtil und durchdacht sind. Narzisst:innen, Machiavellist:innen und Psychopath:innen sind Meister ihres Fachs und Experten der Manipulation. Auf kaum jemand anderen wird die Redewendung “Mit Zuckerbrot und Peitsche” besser zutreffen als auf sie.

Was zeichnet diese Dark Leader aus?

Neben dem gemeinsamen Machtmotiv gibt es zwischen Narzisst:innen, Machiavellist:innen und Psychopath:innen große Unterschiede, weshalb wir jeden dieser Persönlichkeitstypen 

näher beleuchten.

Narzissmus

Kennen Sie die Geschichte des Narziss in Ovids Metamorphosen? In der griechischen Sage verliebt sich Narziss in sein eigenes Spiegelbild und kann sich nicht davon abwenden, was ihn das Leben kostet. Der Mythos steht für Selbstüberheblichkeit – und das ist das Markenzeichen der Narzisst:innen. Sie halten sich für besser als andere. Ihre Selbstwertschätzung ist völlig überzogen und nährt sich durch eines: die Bewunderung und Anerkennung von anderen. Um diese zu erhalten, bedienen sich Narzisst:innen positiver Mittel. Sie treten häufig sehr charismatisch auf und haben eine Anziehungskraft auf andere Menschen. Um Bewunderung zu ernten, wissen sie, womit sie Mitarbeitende begeistern und ködern können. Das mag kurzfristig sogar die Performance innerhalb des Teams steigern und den Eindruck erwecken, dass diese:r Chef:in äußerst effektiv ist. Narzisstische Leader wissen zwar mit ihren Visionen zu inspirieren, allerdings gibt es auch die Kehrseite: Sie sind sehr dominant und anspruchsvoll. Werden Ziele oder persönliche Vorstellungen nicht erreicht, greifen sie zu Sanktionen, um die Mitarbeitende zu bestrafen. Das kann zum Beispiel eine Bloßstellung vor versammelter Mannschaft sein, ein Zurückhalten wichtiger Informationen für weitere Arbeitsaufgaben, aber auch Methoden wie Ghosting: das Ignorieren einzelner Mitarbeiter:innen. Toxisch ist so ein Verhalten zweifellos, in den meisten Unternehmen wird es jedoch ignoriert.

Machiavellismus

Bei der Dunklen Triade sind Machiavellist:innen die pragmatischen Führungskräfte in der Runde. Sie sind einerseits bestimmend und kontrollierend, treten jedoch auch sehr selbstkontrolliert und geschickt auf und zeichnen sich durch Planungs-, Organisations- und Entscheidungsfreude aus. Das ist einer der Punkte, weshalb sie in Führungspositionen gern gesehen sind. Allerdings geht es ihnen weniger um die Unternehmensziele, als vielmehr um eigennützige Ziele, die langfristig gesteckt werden: Einflussnahme, Geld, Status, Macht. Machiavellist:innen leben frei nach dem Motto “Der Zweck heiligt die Mittel”. Hierbei bleiben Empathie und Moral gerne mal auf der Strecke. Mitarbeitende werden benutzt und zeitweise ausgebeutet, um die eigene Macht zu stärken. Weil sie selbst so berechnend sind, hegen sie auch ein großes Misstrauen gegenüber anderen und deren (vermeintlich) guten Absichten. Aufgrund dessen und ihrer autoritären Auftretensweise sind Konflikte innerhalb des Teams häufig vorprogrammiert.

Psychopathie

In Hollywoodfilmen werden Psychopath:innen überspitzt dargestellt. Im Alltagsleben agieren sie sehr viel subtiler, jedoch heftiger als die Narzisst:innen und Machiavellist:innen. Emotionen sind bei ihm oder ihr nämlich Fehlanzeige. Neben emotionaler Kälte zeichnet Psychopath:innen aus, dass sie ihr soziales Umfeld beherrschen wollen. Solche Führungskräfte tendieren zu rücksichtslosem und ausbeuterischem Verhalten und reagieren häufig sehr impulsiv und unberechenbar. Psychopathie ist die dunkelste Form des Dark Leadership. Psychopathisch veranlagte Vorgesetzte neigen zu stark manipulativen Techniken, um ihre in der Regel kurzfristigen Ziele zu erreichen. Dabei ignorieren sie Vorschriften, Strukturen und Pläne frei nach dem Motto “Ohne Rücksicht auf Verluste”. Diese fehlenden Skrupel lassen sie auch große Risiken eingehen. Gewissensbisse kennen Psychopath:innen nicht. Mit so einem/einer Chef:in wird keiner im Team glücklich.

Wieso gibt es so viele Dark Leader?

Man könnte meinen, dass das Verhalten dieser Dark Leader so gravierend ist, dass sie früher oder später auffliegen und ihren Posten räumen müssen, weil sie der Belegschaft, dem Betriebsklima und der Organisation schaden. In einzelnen Fällen ist das auch der Fall. Allerdings bleiben den Entscheidern im Top-Management diese dunklen Seiten oft verborgen – ihnen wollen die toxischen Leader schließlich imponieren. Die Fachkräfte, die unter diesen Verhaltensmustern leiden, machen häufig nicht den Mund auf. Zum einen aus Angst vor weiterer Drangsalierung, Abmahnung oder Kündigung. Zum anderen in der Hoffnung, dass sich der Zustand bald wieder ändern mag, oder sogar auch, weil sie die toxische Führungskraft unterstützen, um einen persönlichen Profit herauszuschlagen. 

Viel mehr ist deshalb die Personalabteilung gefragt, aktiv zu werden. Sowohl bei der Besetzung von Führungspositionen können Anzeichen einer Bad-Leadership-Persönlichkeit mit Hilfe gezielter Fragen, auch nach dem privaten Umfeld, identifiziert werden. Und auch nach der Besetzung sollte ein regelmäßiger Austausch stattfinden, um frühzeitig intervenieren zu können. Mindestens genauso wichtig ist jedoch, die Mitarbeiter:innen zu Wort kommen zu lassen. Neben Mitarbeitergesprächen bieten sich hier vor allem anonyme Mitarbeiterbefragungen an, in denen jeder ehrlich seine Meinung kundtun kann, ohne irgendwelche Sanktionen befürchten zu müssen.


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