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App sei Dank: Der Weg zum flexiblen, aber gläsernen Menschen

Apps und Datenschutz

Partnercontent – in Zusammenarbeit mit der BeckAkademie Seminare

Rechtsanwalt Dr. Ulrich Baumgartner, Referent an der BeckAkademie Seminare, sieht mit dem Inkrafttreten der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) den Datenmissbrauch schwinden.

“Bin in einer halben Stunde zu Hause” – schnell wird auf dem Heimweg noch eine WhatsApp-Nachricht an den Partner verschickt, bevor der Finger auf dem Smartphone weitergleitet: Welches ist wohl die kürzeste Strecke zu dem neuen Laden am anderen Ende der Stadt? Das Navi liefert die Antwort. Kaum dort angekommen, wird das Handy wieder aus der Tasche gekramt: Gibt es das Shirt vielleicht noch irgendwo günstiger? Die Preisvergleich-App – ein Muss für Sparfüchse. Doch die vielen kleinen Klicks hinterlassen Spuren im Netz: Wer nicht vorsichtig mit seinen Daten umgeht, wird gläsern.

Viele Apps machen Dinge, die sie nicht machen sollten

Dr. Ulrich BaumgartnerDas weiß niemand besser als Dr. Ulrich Baumgartner (Bild). Regelmäßig referiert der Rechtsanwalt für deutsches und europäisches Datenschutz- sowie IT-Recht an der BeckAkademie Seminare. “Es ist statistisch inzwischen erwiesen, dass jede zweite bis dritte App etwas macht, was sie nicht machen sollte”, geht er auf datenschutzrechtliche Prinzipien wie Datenminimierung und Datensparsamkeit ein, die häufig nicht eingehalten werden, obwohl sie fest im Bundesdatenschutzgesetz verankert sind.

Und schon wird die nächste maßgeschneiderte Werbeanzeige auf dem Smartphone eingeblendet. Im E-Mail-Postfach horten sich werbende Spam-Nachrichten – allesamt mit persönlicher Ansprache. Ein Pro-Kopf-Datensatz sei inzwischen bares Geld wert, erläutert Dr. Ulrich Baumgartner, wieso App-Anbieter häufig mehr Daten erheben als für die Funktion der App eigentlich notwendig sind. Abhilfe soll die europäische Datenschutz-Grundverordnung schaffen, die im Mai 2018 in Kraft tritt. Artikel 25 ist in Bezug auf Apps das Stichwort: Datenschutz durch Technikgestaltung und durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen. Was bedeutet das konkret? “Die datenschutzrechtlichen Prinzipien müssen schon bei der Entwicklung der App berücksichtigt werden”, erläutert der Rechtsexperte. Welche Daten sind für die Funktionsweise der App wichtig? Diese Frage müssen sich App-Entwickler gleich zu Beginn stellen. Alle anderen Daten dürfen zwar erhoben werden, jedoch nicht ohne ausdrückliche Einwilligung des Users. “Die Werkseinstellungen müssen erst einmal auf ,Nicht erheben’ stehen”, so Baumgartner, der davon ausgeht, dass die neue Vorschrift auch in der Praxis ernst genommen wird.

Verstöße werden mit Bußgeld geahndet

Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung können nämlich ab kommenden Mai teuer werden. Einfach mal ein Adressbuch oder das Fotoalbum auszulesen, Standortdaten zu ermitteln oder gar unbefugt die Smartphone-Kamera oder das -Mikrofon zu aktivieren – alles, was für das Funktionieren der App nicht notwendig ist und wofür keine Einwilligung vorliegt, wird mit einem hohen Bußgeld geahndet. “Die Aufsichtsbehörden und Verbraucherschutzverbände werden da in Zukunft ganz genau hinschauen”, ist sich der Referent der BeckAkademie Seminare sicher.

Untersuchungen von Apps belegen, dass mit den Daten viel Schindluder getrieben wird. Besonders heikel sind Gesundheits- und Ernährungsapps. Wie viele Schritte am Tag zurückgelegt werden, wie häufig Sport betrieben wird und wie viele Kalorien auf dem Speiseplan stehen, interessiert schließlich nicht nur einen selbst, sondern auch Versicherungen. “Es gibt schon Krankenkassen, die ihren Kunden Rabatte anbieten, wenn sie ihnen die Daten ihres Fitnesstrackers zur Verfügung stellen”, weiß Baumgartner. Der Gedanke, dass Kunden, die das nicht machen, in Zukunft gar nicht mehr oder zu schlechteren Konditionen versichert werden, liegt da gar nicht so fern.

Experten-Tipp: Installation einer Kontroll-App

Sich vor Datenmissbrauch zu schützen, ist für User nicht so leicht. Der Experte empfiehlt die Installation einer App, die die anderen Apps kontrolliert. “Diese App schlägt Alarm, etwa wenn das Adressbuch oder irgendwelche Fotos ausgelesen und verschickt werden”, geht er auf die Funktionsweise solcher Kontroll-Apps ein. Außerdem rät er Usern, ihr Smartphone regelmäßig nach Updates entsprechend zu konfigurieren.

Ist das Kind in den Brunnen gefallen, sobald die Daten erst einmal erfasst sind? Jein. Jeder hat das Recht darauf, Auskunft zu erhalten, welche Daten von ihm gespeichert sind. Auch kann jeder von einem App-Anbieter verlangen, die Daten, an denen er kein berechtigtes Interesse hat, zu löschen. “Ob diese dann aber tatsächlich auf dem Server gelöscht werden, der wahrscheinlich nicht dem App-Anbieter gehört, ob alle Kopien gelöscht werden und ob so gelöscht wird, dass die Daten nicht mehr wiederherstellbar sind, das können Sie in der Praxis nicht nachvollziehen”, geht der Rechtsanwalt auf die andere Seite der Medaille ein.

Was die Sammlung von Daten angeht, sind Apps jedoch nur der Vorreiter. “Jeder von uns hat zu Hause mit Sicherheit, vielleicht ohne es zu wissen, vernetzte Dinge”, so Baumgartner. Smarte Fernseher, fernbedienbare Jalousien, einen Kühlschrank, der Alarm schlägt, sobald etwas leer ist, vernetzte Fahrzeuge. “In Zukunft haben wir das überall”, ist der Fachjurist überzeugt. Umso wichtiger ist der sensible Umgang mit den Daten. Ein Umgang, der einen nicht transparent werden lässt. Ein Umgang, der es einem erlaubt, die Fußspuren, die man im Netz hinterlässt, wenigstens wieder zu verwischen.

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