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Der Benjamin-Effekt

Wenn einem das Alter bei der Beurteilung zum Verhängnis wird...

“Da ist noch Luft nach oben”, sagt die Führungskraft im ersten Beurteilungsgespräch zu dem neuen Kollegen. Seit zwei Monaten ist der 26-Jährige an Bord, hat gerade sein erstes Projekt erfolgreich abgeschlossen. Und als er da seinem Chef gegenübersitzt, glaubt er nicht richtig zu hören. Noch Luft nach oben? Ob er diese Erwartungshaltung nachhaltig erfüllen kann? Verunsicherung macht sich breit. Doch anstatt mit seinen erbrachten Leistungen zu trumpfen, hält der junge Mitarbeiter den Mund – und bleibt Opfer des sogenannten Benjamin-Effekts, einer Beurteilungsverzerrung.

Der Benjamin-Effekt tritt bei Personalern und in Chefetagen häufig auf. Umso wichtiger ist es, dass vor allem im Recruiting mehr als eine Person eine Personalentscheidung trifft. Mindestens genauso wichtig ist es, dass sich Mitarbeiter trauen, den Mund aufzumachen, wenn sie sich nicht gerecht beurteilt fühlen. Viele junge Beschäftigte kennen den Benjamin-Effekt nämlich zu gut: Je kürzer man im Arbeitsleben und je jünger man ist, umso kritischer fällt die Beurteilung aus. Eine Beurteilung, die jedoch lediglich auf der Tatsache mangelnder Berufserfahrung und nicht auf den tatsächlich erbrachten Leistungen fußt, ist dem Mitarbeiter gegenüber alles andere als fair und keineswegs objektiv.

Mit gleichen Maßstäben messen

Solche Wahrnehmungsfehler lassen sich vermeiden, sowohl auf Mitarbeiter- als auch auf Beurteilerseite. Letztere sollten sich des Benjamin-Effekts bewusst sein und sich schon vor dem Bewertungsgespräch intensiv mit der Leistung des jungen Kollegen auseinandersetzen: Würde man bei einem langjährigen, erfahrenen Kollegen die gleichen hohen Maßstäbe setzen? Hat der junge Mitarbeiter den Job in Wirklichkeit eigentlich richtig gut gemacht – und das, obwohl er noch so jung ist? Wie bewerten andere im Team die Leistung des Kollegen? Macht vielleicht sogar ein 360-Grad-Feedback Sinn?

Hat man als Mitarbeiter den Eindruck, nicht objektiv, sondern aufgrund seiner jungen Jahre schlechter beurteilt zu werden, sollte man das nicht auf sich sitzen lassen. Kommunikation kann hier Wunder bewirken – möglicherweise ist sich der Beurteiler seiner fehlenden neutralen Position gar nicht bewusst. Als Mitarbeiter sollte man sich gut auf das Beurteilungsgespräch vorbereiten und reflektieren, welche Leistungen man erbracht hat und sich hinsichtlich deren Qualität nicht selbst belügen. Nur wenn man weiß, mit welchen Leistungen man beim Vorgesetzten oder Personaler punkten kann, kann man diese bei fehl angebrachter Kritik im Bewertungsgespräch auch offen zur Sprache bringen. Genau das sollten Betroffene auch tun.

Benjamin-Effekt versus Senioritätsprinzip 

Denn das Senioritätsprinzip ist in Unternehmen nicht minder verbreitet als der Benjamin-Effekt. Hier zählen Alter und Erfahrung mehr als die erbrachten Leistungen. Das hat zur Folge, dass Kollegen mit einer hohen Anzahl an Dienst- oder Lebensjahren bei Beförderungen grundsätzlich den Vorzug erhalten – unabhängig davon, ob und was sie bei der Arbeit leisten. Eine Wahrnehmungsverzerrung liegt auch hier vor, das Alter wird einem jedoch vor allem beim Benjamin-Effekt zum Verhängnis. Deshalb heißt es genau hinschauen: Auch in jungen Kollegen können Talente schlummern, die eine entsprechende Anerkennung verdient haben.


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