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Dialekt im Job: Türöffner oder Karrierekiller?

Die Vor- und Nachteile von Mundart im Berufsleben

“Wir können alles, außer Hochdeutsch” – mit diesem Slogan wirbt Baden-Württemberg fürs Ländle. Die einen können darüber lachen, die anderen merken jedoch, dass das gar nicht so lustig ist: Gerade im Job ist Dialekt nicht immer willkommen. Wie viel regionale Färbung ist erlaubt? Ab wann wird es unangenehm? Wann ist Dialekt ein Türöffner? Wann wiederum ein Karrierekiller? Das wollen wir in diesem Beitrag beleuchten.

Baden-Württemberg steht mit seinen verschiedenen Dialekten wie Schwäbisch, Badisch oder Kurpfälzisch nicht alleine da: 60 Prozent der Deutschen können einen Dialekt sprechen. Einer Studie der Uni Mannheim zufolge gibt es die meisten Mundartler im Saarland (94 Prozent der Einwohner beherrschen den dortigen Dialekt), gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg mit jeweils 86 Prozent. 

Sächsisch, Pfälzisch, Hessisch, Platt: Sie begegnen uns immer wieder und obwohl 6 von 10 Menschen Mundart sprechen können, bemühen sich die meisten von ihnen im Business-Kontext um Hochdeutsch. Stellen Sie sich nur einmal einen Kongress vor, bei dem der Referent Kölsch spricht! Oder einen Messevortrag auf Ostfriesisch! Ein absolutes No-Go. Ein Großteil der Zuhörer würde nur Bahnhof verstehen. Pauschal nur Hochdeutsch im beruflichen Umfeld zu sprechen, kann jedoch ein Fehler sein. Es gilt, den Einzelfall abzuwägen. Ob Dialekt oder Hochdeutsch, das hängt im Beruf nämlich stark von drei Faktoren ab:

  • der Unternehmensgröße
  • dem Aufgabenbereich
  • der Verständlichkeit

Unternehmensgröße

Je größer ein Unternehmen, desto mehr wird dort auf Hochdeutsch kommuniziert. Das hängt häufig damit zusammen, dass große Unternehmen und Konzerne überregional oder gar international tätig sind. Es muss also eine Sprache gesprochen werden, die von allen Kollegen, Kunden und Partnern verstanden wird. In kleinen und mittelständischen Unternehmen können Mitarbeiter durchaus Dialekt sprechen. So ist es zum Beispiel im Verkauf oder in kleinen Handwerksbetrieben üblich, dass die Beschäftigten untereinander, aber auch mit den Kunden gerne Mundart sprechen.

Aufgabenbereich

Welchen Einfluss Dialekt im täglichen Arbeitsalltag haben kann, hängt stark vom Tätigkeitsbereich ab. Erfordern die Aufgaben ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, ist Hochdeutsch die bessere Wahl. Lehrer, Coaches oder Mitarbeiter eines telefonischen Kundenservices fahren mit Hochdeutsch oft besser. Wer viel mit Kunden aus ganz Deutschland zu tun hat, sollte den Dialekt eher aufs Privatleben beschränken. Wer dagegen im Beruf wenig oder gar nicht nach außen kommuniziert, der kann intern Mundart sprechen – vorausgesetzt, er wird von Kollegen und Vorgesetzten verstanden.

Verständlichkeit

Damit sind wir schon beim nächsten Punkt: die Verständlichkeit. Eine kleine Sprachfärbung ist kein Problem, solange sie von allen an einem Gespräch oder Vortrag Beteiligten verstanden wird. Es darf nur nicht zu Kommunikationsproblemen führen.

Die Vorteile von Dialekt im Job

Seinen vertrauten Dialekt im Job komplett abzustellen, ist nicht empfehlenswert. Eine sprachliche Färbung kann durchaus Vorteile mit sich bringen:

  • als Türöffner: Im regionalen Umfeld schafft Dialekt Nähe und Vertrauen. Spricht der Kunde oder Vorgesetzte denselben Dialekt, so ist es von Vorteil, miteinander in Mundart zu kommunizieren. 
  • als Alleinstellungsmerkmal: Ein leichter Einschlag kann wie ein Akzent innerhalb eines Unternehmens oder einer Abteilung ein Alleinstellungsmerkmal sein. So ist es damit möglich, bei anderen in Erinnerung zu bleiben und als besonders sympathisch wahrgenommen zu werden.
  • als Faktor für Authentizität: Wer immer Dialekt spricht, tut sich manchmal schwer Hochdeutsch zu sprechen. Für manche Menschen ist Hochdeutsch wie eine Fremdsprache. Sie fühlen sich damit unsicher, ihnen fehlen bestimmte Worte und sie wirken gestelzt und unauthentisch. 

Die Nachteile von Dialekt im Job

Den Vorteilen stehen auch ein paar Nachteile gegenüber, weshalb man immer abwägen sollte, welche Sprache die Situation gerade erfordert:

  • Im überregionalen Umfeld kann Dialekt zu Kommunikationsproblemen führen. Wenn andere nur Bahnhof verstehen, ist das ein absoluter Karrierekiller.
  • Dialekt lenkt die Aufmerksamkeit des Zuhörers vom Inhalt ab. Während man spricht, besteht das Risiko, dass der andere nicht zuhört, sondern sich Gedanken darüber macht, was für einen Dialekt man spricht und woher man wohl kommt.
  • Mundart polarisiert: Wie Studien gezeigt haben, wird kein Dialekt durchweg als positiv oder negativ empfunden. Jeder Dialekt ist schlichtweg Geschmackssache. Wer also einen Dialekt nicht besonders mag, bei dem werden Sie nicht unbedingt Sympathiepunkte kassieren, wenn Sie mit ihm in genau diesem Dialekt sprechen.
  • Dialekt verleiht ein unerwünschtes Image: Wer selbst keinen Dialekt spricht, nimmt Menschen mit sprachlicher Färbung eher als einfach und inkompetent wahr. Will man das?

Wie nun aber mit dem Dialekt umgeben?

Überlegen Sie sich in jeder Gesprächssituation: Wer sind die Zuhörer? Stellen Sie sich auf die Zielgruppe ein: Sprechen die Zuhörer Ihren Dialekt? Setzt sich der Kreis überregional zusammen? Passen Sie sich einfach der jeweiligen Situation an und lernen Sie, zwischen Hochdeutsch und Dialekt zu switchen. Sie müssen sich Ihre Mundart nicht abtrainieren, sondern lernen, beide Sprachen jederzeit abrufen zu können.

Wenn für Sie gilt “Wir können alles, außer Hochdeutsch”, dann stöbern Sie gerne mal in unserem Angebot an Sprechtrainings. Mit ein bisschen Übung klappt’s auch mit dem Hochdeutsch!


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