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Downshifting: Weniger ist manchmal mehr

Downshifting: Weniger ist mehr

Warum Karriere nicht immer nur nach oben geht

Von der Führungskraft zum Mitarbeitenden… Moment mal, müsste der Karriereschritt eigentlich nicht umgekehrt lauten: vom Mitarbeitenden zur Führungskraft? Nein, Sie haben völlig richtig gelesen. Downshifting ist ein neuer Trend, der die Arbeitswelt in Zukunft mehr und mehr beschäftigen wird. Denn die Zeiten von “höher, schneller und weiter” scheinen vor allem bei vielen jungen Arbeitnehmenden vorbei zu sein. Wozu Karriere machen, wenn Freizeit, Familie, Freunde, kurzum das Leben dabei zu kurz kommen? 

Diesen Gedanken hegen vor allem Fachkräfte der Generation Y, die nicht nur eine sinnstiftende Tätigkeit suchen, sondern auch den Lebenssinn hinterfragen. Karriere um jeden Preis? Für viele Fehlanzeige. Lieber eine gesunde Work-Life-Balance und mehr Zufriedenheit durch Downshifting, dem bewussten Kürzertreten im Job. Doch was hat es mit diesem Phänomen auf sich? 

Geringeres Einkommen bei mehr Lebensqualität

Der Begriff kursiert bereits seit den 90er Jahren, als ihn der Wirtschaftsphilosoph und Mitbegründer der London Business School Charles B. Handy erstmals genutzt hat. Wörtlich übersetzt bedeutet er “herunterfahren”. Im Job-Kontext zeigt sich dieses Herunterfahren in verschiedenen Facetten: Es kann der Verzicht auf einen Führungsposten sein, die Reduktion der Arbeitszeit, ein Jobwechsel oder auch der Schritt zur Existenzgründung. Damit einher geht in der Regel ein geringeres Einkommen, aber im Gegenzug mehr Zeit, weniger Stress, mehr Sinn, mehr Lebensqualität.

Der Schritt zum Downshifting wird nicht aus einer Laune heraus geboren. Menschen, die sich dazu entscheiden, die Karriereleiter herab zu gehen, tun dies meist bewusst und sind sich auch über die damit einhergehenden Folgen im Klaren. Gerade deshalb tun sich viele mit einer solchen Entscheidung schwer. Denn wer bisher in guter Anstellung und erfolgreich im Job war, über ein gutes Einkommen verfügte, der hat sich in der Regel auch einen gewissen Lebensstandard aufgebaut. Wer an diesem festhalten mag und kein dickes Polster als Reserve irgendwo auf der Seite liegen hat, für den kommt Downshifting gar nicht erst in Frage. Das Rödeln geht weiter, gefangen im Hamsterrad, das nur von Innen wie eine (Karriere-)Leiter aussieht.

Andere Prioritäten, andere Aufgaben

Bekannte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Medien sind den Weg bereits gegangen. Erinnern Sie sich an TV- und Radiomoderator Tobi Schlegl? Er hat seine Präsenz in den Medien deutlich heruntergefahren, um Notfallsanitäter zu werden. Warum? “Um etwas gesellschaftlich Relevantes zu machen”, argumentiert er. Auch die langjährige Verlagschefin bei Gruner + Jahr, Julia Jäkel, gab im Frühjahr 2021 nach rund 10 Jahren ihren Vorstandsvorsitz auf, um sich anderen Aufgaben zu widmen. Der Gründer der TikTok-Mutter Bytedance, Zhang Yiming, will zum Jahresende 2021 ebenfalls seinen Chefposten räumen. 

Der Schritt, die Karriereleiter hinabzusteigen, kostet Mut. Gesellschaftlich ist er noch nicht anerkannt. Viele Personaler sind überfordert mit dem Wunsch von Angestellten, die plötzlich ihre Stunden reduzieren wollen. Denn Downshifting hat einen seltsamen Beigeschmack: Ist derjenige oder diejenige etwa überfordert? Bringt sie oder er etwa nicht die notwendigen Kompetenzen mit? Steht der Mitarbeitende kurz vor einem Burnout? Die Wahrheit ist häufig sehr viel banaler: Prioritäten im Leben ändern sich. 

Sinnfrage und Wertewandel

Strebt man mit Mitte 20 vielleicht noch die große Karriere an, weiß man mit 40, welch hohen Preis diese Karriere zugleich fordert und sieht, was zugunsten des Erfolgs alles auf der Strecke bleibt. Beispiel: Was bringt es, wenn man seiner Familie finanziell alles ermöglichen kann, aber keine Zeit für diese Familie hat? Was nutzt es, besonders talentiert in einer Sportart zu sein, wenn man diese bei einer 50- oder 60-Stunden-Woche nur rudimentär praktizieren kann? Was bringt ein gut gefülltes Konto und gute Geldanlagen, wenn man unzufrieden und unglücklich ist? Wer so einen Wertewandel durchlebt, seine persönlichen Prioritäten verschiebt, für den kann Downshifting das Sprungbrett in ein erfüllenderes Leben sein. 

Tipps für die Entscheidungsfindung

Doch wie geht man das Ganze an? Hier ein paar Tipps, wie man die richtige Entscheidung trifft:

  1. Priorisieren Sie: Wovon wollen Sie mehr, wovon weniger im Leben haben?
  2. Überlegen Sie sich: Was brauchen Sie wirklich, um glücklich zu sein? Was können Sie aus Ihrem Leben eliminieren?
  3. Reflektieren Sie die Lage: Ist Downshifting wirklich der Weg zu mehr Zufriedenheit
  4. Denken Sie über mögliche Konsequenzen nach.
  5. Führen Sie eine Einnahmen-Ausgaben-Liste, um zu sehen, ob Sie mit weniger Einkommen auskommen können.
  6. Beziehen Sie Ihr Umfeld mit ein und sorgen Sie für Rückhalt, vor allem von Ihrer Familie.
  7. Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung und schämen Sie sich nicht dafür!
  8. Wenn Sie nicht gleich aufs Ganze gehen wollen: Testen Sie etwa mit einem Sabbatical oder einer temporären unbezahlten Freistellung, wie sich die Auszeit vom Job anfühlt. Vor allem große Unternehmen haben hier spannende Modelle, die eine kleine Pause ermöglichen.

Dass die meisten von uns gerne weniger Stunden arbeiten würden, ist durch Studien längst belegt. In Schweden laufen die ersten Modelle einer Vier-Tage-Woche, vereinzelt arbeiten auch deutsche Unternehmen mit einem Sechs-Stunden-Tag bei gleicher Produktivität und höherer Mitarbeiterzufriedenheit. Ob sich diese Modelle etablieren, ist noch ungewiss. Klar ist jedoch schon jetzt, dass sich die Gesellschaft spaltet. Da sind zum einen diejenigen, die nach der großen Karriere lechzen, Erfolg, Geld, Ruhm und Macht erlangen wollen. Und auf der anderen Sete sind diejenigen, die dieser materiellen Welt den Rücken kehren, einen Gang runterschalten, vielleicht sogar die Notbremse ziehen und sich auf das besinnen, was sich mit keinem Geld der Welt kaufen und keinem Status der Welt erlangen lässt: Zufriedenheit und Glücklichsein.


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