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Klebe-Effekt: Schlechte Karten für eine Beförderung

Wenn Führungskräfte Arbeitsleistungen nicht neu bewerten

Entwickeln Sie sich noch oder kleben Sie schon? Ursprünglich stammt der Klebe-Effekt aus der Zeitarbeit: Konnte ein Leiharbeiter eine Firma so sehr von sich überzeugen, dass er von ihr eine Festanstellung bekam, blieb er umgangssprachlich kleben. Allerdings wird der Klebe-Effekt immer häufiger in einem anderen Zusammenhang verwendet: Er tritt verstärkt dann ein, wenn man beruflich auf derselben Position verharrt. 

Vielleicht kennen Sie es noch aus der Schulzeit: Hat ein Schüler bei einem Lehrer einmal eine gute Note bekommen, hatte er diese quasi abonniert. Einmal eingefahrener Erfolg blieb an ihm haften: Wer einmal gut ist, wird doch in Zukunft nicht plötzlich schlecht werden?! Dieses Denk-Verhalten von Lehrern und Vorgesetzten wird als Klebe-Effekt bezeichnet. Leistungen werden nicht neu bewertet, sondern einfach wieder vorausgesetzt, frei nach dem Motto “Ich kenne meine Pappenheimer”. 

Folge: Fehlbesetzung von Stellen

Werden Leistungen über- oder unterschätzt, hat das im Arbeitsleben gravierende Folgen: Viele Posten sind mit den falschen Mitarbeitern besetzt. Inkompetente Mitarbeiter werden befördert. Diejenigen, deren Leistungen unterschätzt werden, gehen leer aus und verharren auf derselben Position. Sackgasse.

Karriereberater nennen häufig die magischen Zahlen drei und fünf. Drei Jahre sollte man mindestens auf einer Position bleiben, um einerseits etwas bewirken zu können und andererseits nicht als Jobhopper zu gelten. Nach fünf Jahren sollte aber spätestens eine berufliche Veränderung eintreten. Ob das eine interne Beförderung mit einem größeren Verantwortungsbereich oder ein Neuanfang in einem anderen Unternehmen ist, ist irrelevant. Entscheidend ist die berufliche Weiterentwicklung, um dem Klebe-Effekt entgegen zu wirken. Bewegt man sich auf der Karriereleiter nicht weiter, tritt dieser nämlich erneut auf: Es wird einem automatisch unterstellt, dass man sich nicht genügend angestrengt hat – selbst wenn man vielleicht einfach seinen Job und die Kollegen gerne mag und sich gerade gar nicht verändern will. Die Beurteilungsverzerrung hat jedoch Folgen: Eine Beförderung rückt damit immer weiter in die Ferne. Wer also länger bleibt, bleibt irgendwann kleben.

Kann man den Klebe-Effekt umgehen?

Es ist möglich, den Klebe-Effekt zu umgehen. Das setzt allerdings Reflexion von Seiten der Führungskräfte und des Managements voraus. Unternehmen, die sich des Effekts bewusst sind, beziehen zum Beispiel in die Bewertung der Mitarbeiter verschiedene Vorgesetzte mit ein. Auch das 360-Grad-Feedback ist eine gute Methode: Hierbei findet eine Beurteilung des Mitarbeiters durch alle Abteilungsleiter oder Teammitglieder statt. Sollte der direkte Vorgesetzte also seine Beurteilung nicht aufgrund der Leistungen, sondern des Klebe-Effekts abgeben, kann dieses Bild durch das Urteil weiterer Vorgesetzter und Kollegen relativiert werden.

Tipps für Mitarbeiter, die Gefahr laufen, zu kleben

Auch der Mitarbeiter selbst kann dem Klebe-Effekt entgegenwirken. Aktiv werden ist angesagt! Man muss sich nicht zwangsläufig beim Vorgesetzten einschleimen, aber kann sich dennoch dessen Aufmerksamkeit sichern, etwa indem man Meetings als Bühne nutzt, zeigt, dass man seine Aufgaben im Griff hat und anpassungsfähig und flexibel auftritt. Das mag nicht jedermanns Sache sein, gerade Introvertierte mögen sich damit schwer tun. Doch wer dem Klebe-Effekt entkommen will, muss den inneren Schweinehund manchmal überwinden – zugunsten der eigenen Karriere und Zufriedenheit.

Sind Sie überzeugt, dass Sie die richtigen Schritte gehen, um beruflich voranzukommen und es klappt trotzdem nicht? In unserem Beitrag “Warum der Kelch bei Beförderungen an Ihnen vorüber geht” finden Sie 8 Gründe, an denen ein beruflicher Aufstieg scheitern kann.


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