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Mikromanagement

Mein:e Chef:in, der Kontrollfreak

Mikromanagement: Anzeichen, Folgen und der Weg da raus

“Können Sie mich bitte in CC setzen?” “Ich zeige Ihnen mal, wie das geht!” “Stellen Sie mir bitte bis übermorgen einen Bericht zu Ihrem Projekt zusammen, damit ich mir ein Bild vom aktuellen Stand machen kann.” “Wie oft soll ich Ihnen noch sagen, dass… “ Kommen Ihnen solche Sätze bekannt vor? Hören Sie sie vielleicht sogar regelmäßig an Ihrem Arbeitsplatz? Dann ist es gut möglich, dass Ihr:e Chef:in ein Mikromanager ist. 

Mikromanager erkennt man häufig erst auf den zweiten Blick

Mikromanagement ist in vielen Unternehmen verbreitet. Das Problem: Meist erkennt man einen Mikromanager nicht auf den ersten Blick: Wirken sie anfangs wie visionäre Perfektionisten, die sich überdurchschnittlich stark engagieren (auch in fremden Bereichen), so merkt man erst im Laufe der Zeit, dass es sich dabei um einen detailverliebten Kontrollfreak handelt, der glaubt, alles besser als andere zu können, anderen ihr Potential abspricht und das Betriebsklima vergiftet. Wirft man einen Blick auf die jährlich erscheinende Gallup-Studie taucht Mikromanagement weit oben an der Spitze der Gründe auf, weshalb Mitarbeiter:innen kündigen, innerlich gekündigt haben oder nur noch Dienst nach Vorschrift machen.

Eine gute Führungskraft schafft Rahmenbedingungen, unter denen das Team gute Leistung bringen kann. Die Basis der Zusammenarbeit bildet Vertrauen. Mikromanager bringen dieses Vertrauen nicht auf. Sie glauben nicht an andere, delegieren deshalb kaum und wenn, kann man sich sicher sein, dass das Ergebnis nicht ihren Erwartungen entspricht. Das erhöht den Druck auf das Team um ein Vielfaches und multipliziert das Stressniveau, das zum gewöhnlichen Arbeitsalltag dazu gehört, um ein Vielfaches.

Die Folgen von Mikromanagement

Ein paar Auswirkungen von Mikromanagement in Unternehmen sind bereits durchgeklungen. Die Wesentlichen fassen wir noch einmal zusammen:

  • hohe Fluktuationsrate
  • hoher Krankenstand
  • unmotivierte Mitarbeitende 
  • sinkende Produktivität
  • hohes Konfliktpotenzial 
  • schwindende Eigenständigkeit der Belegschaft
  • toxische Unternehmenskultur
  • gegenseitiges Vertrauen geht gegen Null
  • Angst vor Fehlern und Kritik bei den Mitarbeitenden
  • schwindendes Selbstwertgefühl der Angestellten
  • Druck auf die Mitarbeitenden durch Misstrauen, Kontrolle und Überwachung
  • keine Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter:innen
  • schlechtes Zeitmanagement der Führungskraft, die alles selbst machen will
  • Mikromanager stehen Innovationen im Weg

Wie äußert sich Mikromanagement?

Fragen Sie sich jetzt, ob Ihr:e Chef:in ein Mikromanager ist? Oder sind Sie selbst Führungskraft und hinterfragen Ihre Führungsqualitäten? Dann schauen Sie mal, hinter wie viele Anzeichen für Mikromanagement Sie ein Häkchen setzen können:

  • Delegation ist Fehlanzeige
    Indem Mikromanager anderen ihre Kompetenzen absprechen, geben sie auch keine Aufgaben ab. Sie machen lieber alles selbst, denn nur dann wird es ihrer Meinung nach richtig gemacht. Das führt auf kurz oder lang zu Problemen beim Zeitmanagement.
  • Man kann es ihm/ihr nicht recht machen
    Der Mikromanager ist nie zufrieden. Ständig hat er zu nörgeln oder beschwert sich. Das Schlimme ist: Mikromanager suchen so lange nach Fehlern, bis sie welche finden – sie können noch so klein sein.
  • Kommunikation nur mit “in CC”
    Mikromanager bestehen darauf, dass jedes Schreiben mit ihnen abgestimmt wird oder dass sie immer “in CC” gesetzt werden. Nur dann haben sie Einblicke in alles und maximale Kontrolle.
  • Fachwissen hat nur er/sie
    Eigene Entscheidungen treffen zu wollen, ist bei einem Mikromanager Fehlanzeige. Der Mikromanager ist überzeugt, das größte Fachwissen zu haben – und zwar in nahezu allen Bereichen. Deshalb müssen Mitarbeitende bei ihm/ihr um Erlaubnis bitten. Aber wurde man nicht eigentlich eingestellt, weil man die für die Funktion am besten qualifizierte Person war?
  • Detailverliebtheit
    Mikromanager sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Sie fokussieren sich auf jedes kleinste Detail und verlieren sich darin. So stehen Aufwand und Ergebnis häufig in keinem wirtschaftlichen Verhältnis.
  • Genaue Erklärung der Aufgaben
    Weil er/sie seine/ihre Mitarbeitenden für unfähig hält, erklären Mikromanager jede Aufgabe bis ins kleinste Detail. Doch nicht nur das: Sie geben zugleich den weiteren Ablauf vor. Die Arbeitsweise und die Lösung werden exakt vorgeschrieben. Weicht man davon ab, wird der Mikromanager sauer.
  • Zahlreiche Regeln und Guidelines
    Um maximale Kontrolle und Anlass zur Rüge zu haben, setzen Mikromanager zahlreiche Regelwerke und Guidelines auf. Wer sich nicht daran hält, kriegt schnell Ärger.
  • Ständige Berichterstattung
    Weil Mikromanager anderen nicht vertrauen, erwarten sie ständig Updates und Bericht. So wird wertvolle Arbeitszeit für Dinge wie Reportings, Details und Kontrolle verschwendet, die anderswo fehlt.
  • Projekte ziehen sich ewig hin
    Wer nicht delegiert und alles selbst machen will, der kommt in Zeitnot. Richtet sich der ganze Zeitplan, das ganze Tempo nur nach dem Mikromanager, ist ein Vorankommen kaum möglich. So blockieren Mikromanager den Projektfortschritt und Innovationen.
  • Engmaschige Kontrollen
    Mikromanager müssen genau wissen, was ihre Mitarbeiter:innen tun. Sonst haben sie ein ungutes Gefühl. Deshalb kontrollieren sie, wo es nur geht. Sie stecken viel Energie und Zeit in Fehlersuche, bestehen oft sogar darauf, dass sich Mitarbeiter:innen bei ihnen an- und abmelden.

Was können Sie dagegen tun?

Sind Sie selbst Führungskraft und haben sich gerade ertappt gefühlt? Einsicht ist der Weg zur Besserung. Die Wege raus aus dem Mikromanagement sind eigentlich ganz einfach:

  • Selbsterkenntnis: Diese haben Sie wohl schon erlangt, wenn Sie diesen Beitrag lesen.
  • Ursachenforschung: Woher rührt Ihr Verhalten und mangelndes Vertrauen? Häufig liegt die Ursache in einem Gefühl der Ohnmacht.
  • Prioritäten setzen: Sortieren Sie anstehende Aufgaben nach Priorität und kümmern Sie sich um die wirklich wichtigen Dinge. Unwichtige Aufgaben können auch mal warten.
  • Lernen, Aufgaben zu delegieren: Weil dieser Schritt besonders schwer ist, können Sie mit den unwichtigen Aufgaben aus dem vorherigen Punkt beginnen.
  • Diverse Wege zulassen: Sie müssen lernen, dass es nicht nur eine Lösung gibt. Öffnen Sie sich für andere Wege, die zu den gleichen Ergebnissen führen.
  • Weg von der Perfektion: Sie neigen zur Perfektion. Das funktioniert aber nicht immer angesichts der begrenzten Zeit. Überlegen Sie sich, wo es sich lohnt 100% zu geben und wo vielleicht auch mal nur 80% reichen.
  • Offene Kommunikation über Ihr Vorhaben: Wenn Sie an Ihrem Mikromanagement arbeiten wollen, dann kommunizieren Sie das Ihrem Team offen. Bitten Sie um Verständnis für mögliche Fehler und um regelmäßiges Feedback, um sich in die richtige Richtung zu entwickeln.
  • Haben Sie Verständnis für sich selbst: Es wird etwas dauern, bis Sie Ihr Mikromanagement abgelegt haben. Auf diesem Weg wird es zu Rückschlägen kommen. Seien Sie nicht zu streng mit sich selbst!

Wie soll man mit einem Mikromanager umgehen?

Sind Sie selbst Fachkraft und arbeiten unter einem Mikromanager? Wenn Ihr Chef sich zu sehr einmischt und nach der Devise lebt “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser”, kann das stark an die Substanz gehen. Ehe Sie sich zu sehr von ihm/ihr leiten und herunterziehen lassen, sollten Sie lieber Eigeninitiative ergreifen. Wir haben 5 Tipps, mit denen Sie Ihrem Mikromanager begegnen können:

  1. Verständnis aufbringen: Verübeln Sie es Ihrer Führungskraft nicht, dass er/sie so ist, wie er/sie ist. Die Ursache für das Verhalten mag sehr schmerzhaft gewesen sein. Versuchen Sie, dem Mikromanager mit Verständnis zu begegnen.

  2. Gespräch suchen: Gehen Sie auf Ihre Führungskraft zu und suchen Sie das Gespräch. Erläutern Sie, wie Sie sich unter seinem/ihrem Führungsverhalten fühlen und welche Möglichkeiten Ihre Zusammenarbeit verbessern würden.

  3. Vereinbaren Sie feste Deadlines: Anstatt bei jedem Schritt über die Schulter geschaut zu bekommen, schlagen Sie Ihrer Führungskraft vor, mit festen Terminen zu arbeiten, bis zu diesen Aufgaben erledigt sein müssen.

  4. Übernehmen Sie Verantwortung: Fallen Aufgaben an, die Ihr:e Chef:in vielleicht nur ungern abgibt, können Sie sich anbieten, diese abzunehmen. Zeigen Sie Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

  5. Vertrauen aufbauen: Die bisher genannten Punkte sind ein guter Weg, um Vertrauen aufzubauen. Wenn Sie Ihre Führungskraft dabei nicht enttäuschen, Ihre Aufgaben gewissenhaft, im Zeitrahmen und gut erledigen, hilft das dabei, das angekratzte Vertrauen nach und nach zu verbessern und den Teufelskreis des Mikromanagements zu unterbrechen.

Mikromanagement ist weder für den Mikromanager noch für die Fachkräfte, die mit ihm/ihr arbeiten müssen, eine einfache Angelegenheit. Für beide Seiten bedeutet diese Form der Führung Stress – zufrieden ist am Ende keiner damit. Mit offener Kommunikation beiderseits und vor allem mit Selbstreflexion auf Seiten der Führungskraft kann es gelingen, diese Führungsform in eine konstruktivere umzumünzen. Vorwürfe sind destruktiv. Begegnen Sie sich mit Verständnis und Offenheit – vorausgesetzt der Mikromanager ist dazu bereit.


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