Selbstlernkompetenz fördern: So gelingt’s

Selbstlernkompetenz fördern: So gelingt’s

Tipps und Tricks für eigenverantwortliches Lernen

Weiterbildung verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum. Egal ob informelles Lernen wie durch YouTube-Videos oder formelles Lernen, etwa in Form von MOOCs oder Microlearnings: E-Learning in all seinen Facetten gehört inzwischen zum festen Teil der Weiterbildungslandschaft. Besonders Online-Kurse im Selbstlernmodus sind unserer Nutzer-Befragung zufolge aufgrund der maximalen Flexibilität bei Lernenden beliebt (Stand: 2022). Doch diese erfordern ein hohes Maß an Selbstlernkompetenz. Diese ist nicht selbstverständlich. Das zeigen zum einen die hohen Abbrecherquoten bei Fernstudiengängen und MOOCs, zum anderen aber auch der oft fehlende Praxistransfer nach Absolvieren eines Online-Kurses. Eigenverantwortung müssen viele erst einmal lernen. Wir verraten, wie Sie Ihre Selbstlernkompetenz fördern können.

Kurse zur Selbstorganisation

Was ist Selbstlernkompetenz überhaupt?

Im Wort Selbstlernkompetenz steckt die Definition eigentlich schon drin: Selbstlernkompetenz ist die Fähigkeit und Bereitschaft, den eigenen Lernprozess eigenverantwortlich zu gestalten und das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Dazu gehört, folgende Punkte bewältigen zu können:

  • Ausgangssituation analysieren
  • Lernziele setzen
  • Motivation überprüfen und fördern
  • Rahmenbedingungen für das Lernen schaffen
  • eigenständig neues Wissen erwerben
  • Verknüpfungen zwischen neuem und bisherigem Wissen herstellen
  • Lernwiderstände erkennen und beseitigen
  • Praxistransfer des Wissens erzeugen
  • Lernerfolge bestimmen und dokumentieren

Welche Aspekte fallen unter Selbstlernkompetenz?

Zusammenfassen lassen sich diese Punkte unter den drei wesentlichen Aspekten, die Selbstlernkompetenz ausmachen:

  • Selbstorganisation und -planung:
    Dazu zählt, dass man sich die passenden Rahmenbedingungen zum Lernen schafft. Dazu gehört zum einen die Abstimmung mit anderen Lebensbereichen, so dass überhaupt Raum für Weiterbildung vorhanden ist. Zum anderen gehören neben ausreichenden Lernzeiten auch die Auswahl passender Lernmedien und Lernwege sowie ein individuell geeignetes Lerntempo dazu. Selbstlernkompetenz lässt sich ohne gute Organisation nicht erwerben.

  • Steuerung des Lernprozesses:
    Zu diesem Aspekt gehört alles, was mit dem Lernen an sich zusammenhängt. Es gehört Disziplin dazu, sich zum Lernen aufzuraffen. Motivation ist mindestens genauso wichtig. Außerdem sollten die Lerninhalte auch zu den individuellen Lernzielen passen, um langfristig mit Freude am Ball zu bleiben.

  • Selbstbestimmtes Lernergebnis:
    Die Ziele selbst zu bestimmen, ist ein wichtiger Aspekt der Selbstlernkompetenz. Denn nur dann, wenn man 100%-ig hinter den Zielen steht, ist die intrinsische Motivation gegeben, sich zum Lernen aufzuraffen. Zur Erfolgsmessung sind regelmäßige Lernkontrollen wichtig: Befindet man sich mit dem aktuell erreichten Lernlevel noch auf dem richtigen Weg zu den Lernzielen? Die Ziele sollten nicht nur kontrolliert, sondern am besten auch dokumentiert werden: Sichtbare Erfolge spornen uns nachweislich an.

Was fördert die Selbstlernkompetenz?

Entwickeln von Eigenverantwortung:
Wichtig ist, das Lernen nicht blauäugig anzugehen, sondern sich bewusst darauf vorzubereiten und einzulassen. Dazu gehört es, sich feste Lernzeiten einzuräumen, sich passende Arbeitsmittel zu beschaffen, die richtigen Lernmedien auszuwählen und sein eigenes Lerntempo zu finden. Außerdem gehört auch dazu, sich in den Lernzeiten nicht ablenken zu lassen und fokussiert zu arbeiten.

Herstellen von Alltagstauglichkeit:
Egal für welche Form von E-Learning man sich entscheidet: Sie muss in den Alltag passen. Die Weiterbildung muss mit den anderen Lebensbereichen wie Job, Familie und Hobbies harmonieren. Wer sich für eine zeitintensivere Weiterbildung entscheidet, muss zunächst einmal Freiräume schaffen und eventuell für die Dauer der Weiterbildung andere Lebensbereiche hinten anstellen.

Förderung der Motivation:
Wodurch lässt sich Ihre Lernmotivation steigern? Ist es, indem Sie sich ausmalen, welche Möglichkeiten Ihnen am Ende der Weiterbildung dank dieser offenstehen? Oder ist es eine kleine Belohnung nach einer Lerneinheit, wie etwa eine Tasse Kaffee? Oder sind es andere Anreize, die Sie dazu motivieren, sich regelmäßig zum Lernen aufzuraffen? Was auch immer es ist: Nutzen Sie es gezielt, um sich bei Laune zu halten.

Finden von Problemlösungen:
Auch bei E-Learning kann es vorkommen, dass Fragen auftauchen, auf die man keine Antwort parat hat. Wenn dann kein:e Dozent:in zur Verfügung steht, macht es die Sache etwas schwieriger. Wichtig ist deshalb, dass Sie in solchen Momenten nicht verzagen, sondern Ideen entwickeln, wie Sie dieses Problem lösen können. Gibt es etwa ein Forum für Ihr Fernstudium, können Sie auf die Unterstützung anderer hoffen. Haben Sie eine:n feste:n Ansprechpartner:in als Tutor:in, können Sie sich an diese:n wenden. Manchmal kann auch ergänzende Literatur oder eine Internetrecherche weiterhelfen.

Gestalten passender Lernumgebungen:
Jede:r lernt anders: Für den einen muss es der Schreibtisch sein, für die andere ist die gemütliche Couch fürs Wohlfühlen beim Lernen wichtig. Der eine lernt am besten allein im stillen Kämmerlein. Die andere tut sich in Lerngruppen leichter und lernt viel durch den Austausch. Wichtig ist, sich darüber im Klaren zu sein, welche Lernumgebung am besten zu einem passt und sich genau diese zu schaffen.

Durchführen von Selbstkontrolle:
Nur stur vor sich hin zu lernen, ist schön und gut. Wichtig ist aber, zu sehen, wie viel von dem Gelernten auch im Kopf hängen bleibt. Eine regelmäßige Lernkontrolle ist daher das A und O. Bei vielen E-Learnings lässt sich die Lernkontrolle mit Multiple-Choice-Aufgaben durchführen. Auch Übungsaufgaben helfen, sofern vom Weiterbildungsanbieter nicht regelmäßig das Wissen durch kleine Zwischenprüfungen abgefragt wird.

Was Führungskräfte tun können

Ist die Lernkompetenz bei einer beruflichen Weiterbildung am Arbeitsplatz gefragt, können Führungskräfte, Personaler:innen und Personalentwickler:innen die Beschäftigten unterstützen. Diese Maßnahmen lassen sich jederzeit anwenden:

  • Leben Sie eine Lernkultur, indem Sie in Ihrem Unternehmen ein Bewusstsein für lebenslanges Lernen schaffen und den Mitarbeiter:innen Gründe und Ziele einer Weiterbildung erläutern.

  • Machen Sie den Mitarbeitenden deutlich, weshalb einzelne Weiterbildungen für das Unternehmen relevant sind und welche unmittelbaren Auswirkungen sie im Arbeitskontext haben.

  • Stellen Sie den Mitarbeitenden die benötigten Lerninhalte und -formate zur Verfügung und liefern Sie ausreichend Input, damit diese eigenständig erarbeiten können.

  • Kontrollieren Sie die Mitarbeitenden nicht, sondern geben Sie die Lernverantwortung an diese ab. Lassen Sie die Beschäftigten ihren Lernprozess selbst gestalten.

  • Zeigen Sie sich offen und bieten Sie Unterstützung an, zum Beispiel bei Rückfragen. Feste Zeitfenster, um Feedback einzuholen, können eine Motivation für Mitarbeitende sein, gezielt auf Sie als Chef:in zuzugehen.

Selbstlernkompetenz gehört zu den Fähigkeiten, die Mitarbeiter:innen in der Arbeitswelt 4.0 mitbringen müssen. Denn Weiterbildung wandelt sich und findet nicht mehr ausschließlich physisch im Seminarraum, sondern zunehmend im digitalen Raum statt. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Unternehmen und deren Mitarbeiter:innen, Learning on demand wird dadurch möglich. Es setzt jedoch auch voraus, dass Beschäftigte wissen, wie sie mit dieser neueren Form des Lernens umgehen müssen, um von E-Learning zu profitieren.

#Autor#
Vanessa Schäfer
Head of Content

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