Soziales Faulenzen: Toll, ein:e andere:r macht’s!

Soziales Faulenzen: Toll, ein:e andere:r macht’s!

So bringen sich bei Teamarbeit wirklich alle ein

“Faulheit ist die Angewohnheit, sich auszuruhen, bevor man müde wird”, lautet ein Zitat des französischen Schriftstellers Jules Renard. Und bestimmt kennen auch Sie eine:n Faulenzer:in an Ihrem Arbeitsplatz – eine Person, die morgens oder in Meetings gerne zu spät kommt, schlampig arbeitet, Ideen einbringt, die nicht umgesetzt werden, und sich generell gerne vor der Arbeit drückt. Besonders schlimm sind solche Weggefährtinnen und -gefährten bei Gruppenarbeit. Denn während sich die einen krumm und buckelig machen, um das Projekt gut umzusetzen, hat für sie das Wort “TEAM” in erster Linie eine Bedeutung: “Toll, ein:e andere:r macht’s!”. Das Phänomen des sozialen Faulenzens ist weit verbreitet. Deshalb schauen wir es uns genauer an.

Teamarbeit geht mit vielen Vorteilen einher und kann unter den richtigen Bedingungen leistungsfördernd wirken. Durch den Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer sowie das Gefühl sozialer Anerkennung kann die Produktivität und Motivation gesteigert werden. Allerdings hat Teamarbeit auch ihre Schattenseiten. Sie ist für manche:n eine Einladung für soziales Faulenzen, auch als Social Loafing bekannt. 

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Motivation kommt bei Teamarbeit oft zu kurz

Während die einen bei Teamarbeit mit Vollgas arbeiten, arbeiten andere mit angezogener Handbremse: Es ist inzwischen nachgewiesen, dass Menschen dazu neigen, bei Teamarbeit ihre Leistungen zurückzufahren. Manche leisten bei Gruppenarbeit deutlich weniger als bei Einzelarbeit – zulasten derer im Team, die sich richtig reinhängen und die Lorbeeren am Ende mit den Faulenzenden teilen müssen. Dass dabei Ungerechtigkeitsgefühle aufkommen und das Teamgefühl geschwächt wird, ist nachvollziehbar.

Doch häufig geschieht soziales Faulenzen unbewusst. Die eigene Leistung wird gedrosselt, weil es an Motivation fehlt, sobald auch noch andere Leute an einer Aufgabe beteiligt sind. Die Gründe hierfür sind einfach: Der eigene Beitrag an einer Gruppenarbeit ist weniger identifizierbar und sichtbar, als wenn man eine Aufgabe alleine löst. Der individuelle Beitrag lässt sich einem nicht direkt zuordnen. So entsteht bei Teamarbeit der Eindruck, entbehrlich zu sein. Studien zufolge kommt soziales Faulenzen bei Männern und in westlichen Kulturen häufiger vor als bei Frauen und in östlichen Kulturen.

Soziales Faulenzen: Beugen Sie vor!

Mit dem Wissen um das Phänomen des Social Loafing lässt sich diesem einfach vorbeugen. Egal, ob der/die Führungskraft, Abteilungs- oder Projektleiter:in zur Gruppenarbeit animiert: Indem man ein paar Dinge beachtet, lässt sich die Gefahr des sozialen Faulenzens eindämmen:

  1. Anspruchsvolle Aufgabe stellen
    Steht die Lösung einer schwierigen Aufgabe an, sind Personen gewillt, im Team genauso hart zu arbeiten wie alleine. Sie haben das Gefühl, dass es auf sie ankommt. Weniger herausfordernde Aufgaben lassen sich von Einzelpersonen besser lösen.

  2. Teamgröße beachten
    Je größer das Team, desto mehr können sich einzelne dahinter verstecken. Bei kleineren Teams fällt es nicht nur eher auf, wenn eine:r sich ausruht. Es wird auch schwieriger, eine Aufgabe zu lösen, wenn zu wenige Köpfe daran beteiligt sind.

  3. Aufgaben wählen, die Expertenwissen erfordern
    Bei Aufgaben, die ohne jegliches Fachwissen gelöst werden können, steigt die Tendenz, sich im Team einfach mal zurückzulehnen. Deshalb ist es ratsam, bei Gruppenarbeit Aufgaben zu stellen, die das Expertenwissen oder besondere Fähigkeiten der Teammitglieder erfordern. So wird das Gefühl vermittelt, unverzichtbar zu sein.

  4. Regelmäßige Fortschrittskontrollen durchführen
    Damit die Teammitglieder erkennen, wie wichtig ihr Beitrag bei einer Gruppenarbeit ist, bieten sich regelmäßige Fortschrittskontrollen mit Feedbackrunden an, in denen die Leistungen des/der Einzelnen für das Gesamtergebnis sichtbar gemacht und gewürdigt werden. Sobald die Leistung transparent und messbar ist, steigt der Ansporn, sich für das Gesamtergebnis mehr ins Zeug zu legen.

  5. Teamzusammensetzung beachten
    Arbeiten weniger leistungsstarke Mitarbeiter:innen im selben Team wie besonders leistungsstarke Beschäftigte, ruhen sich die Schwächeren gerne auf deren Leistungen aus. Deshalb sollte das Leistungsgefälle innerhalb eines Teams nie besonders groß sein.

  6. Gruppenzusammenhalt fördern
    Wer sich mit seinem Team identifiziert, will dieses auch nicht hängen lassen. Mit dem Gruppenzusammenhalt gewinnt auch das Verantwortungsgefühl jedes/jeder Einzelnen gegenüber den anderen Teammitgliedern.

  7. Anreize schaffen
    Für die Lösung von Aufgaben, die zum Job gehören, muss nicht zwangsläufig eine Belohnung erfolgen. Wer jedoch den Einsatz von Mitarbeiter:innen fordert, sollte diesen eine gerechte Bezahlung bieten.

  8. Social Loafing nicht dulden
    Wegschauen ist gefährlich! Wer soziales Faulenzen duldet, löst eine Kettenreaktion aus. Denn Social Loafing ist ansteckend. Wenn Teammitglieder merken, dass der/die Faulenzer:in mit seinem/ihrem Verhalten durchkommt, ist bei diesen ebenfalls die Gefahr gegeben, sich bei der nächsten Gruppenarbeit weniger anzustrengen. 

Fazit:

Soziale Trittbrettfahrer:innen kann es immer und überall geben: Menschen, die sich wenig einbringen und die Ernte anderer einfahren. Bei Gruppenarbeit am Arbeitsplatz ist durch das Phänomen des sozialen Faulenzens die Gefahr zwar gegeben. Doch wer entsprechende Vorkehrungen trifft, kann das Risiko stark eindämmen und die Motivation stärken, dass bei Teamarbeit am Ende alle Vollgas geben.

#Autor#
Vanessa Schäfer
Head of Content

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