Studium steuerlich absetzen

Studium steuerlich absetzen

Wie Sie Ihr Studium von der Steuer absetzen

Studiumskosten von der Steuer abzusetzen ist aufgrund der strittigen Unterscheidung zwischen Erst- und Zweitstudium ein kniffeliges Thema. Bisher konnten die Kosten für ein Erststudium lediglich als Sonderkosten geltend gemacht werden, während ein Zweitstudium wie eine Weiterbildung als Werbungskosten gewertet wird. Diese Unterscheidung steht momentan jedoch auf der Kippe.

von Dr. Elke Lehmann, GFS Steuer- und Wirtschaftsfachschule GmbH

Erststudium – Werbungskosten oder Sonderausgaben?

Werbungskosten (bzw. Betriebsausgaben) können im Gegensatz zu den Sonderausgaben unbegrenzt von den erzielten Einnahmen abgezogen werden. Verluste können in spätere Berufsjahre vorgetragen und dann steuermindernd genutzt werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Ausgaben für die Bildungsmaßnahme Ihre Einnahmen übersteigen. Wenn im Jahr der Bildungsmaßnahme keine Einnahmen erzielt werden, können die Aufwendungen als „vorweggenommene Werbungskosten" abgesetzt werden.

Sonderausgaben mindern die Steuerschuld nur im entsprechenden Steuerjahr. Sie können also im Gegensatz zu Werbungskosten „verfallen“, da kein Verlustvortrag möglich ist.

Ob Ausbildungskosten als Werbungskosten oder Sonderausgaben abgesetzt werden dürfen, ist also ein großer Unterschied. Und während eine Zweitausbildung, ein Zweitstudium oder eine berufliche Weiterbildung unter die Werbungskosten fällt, ist dies bei der Erstausbildung oft nicht der Fall. Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung, die nicht im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses absolviert wird und Aufwendungen für ein Erststudium (dem keine abgeschlossene Ausbildung vorangeht) werden nach § 10 (1) Nr. 7 EStG als Sonderausgaben bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 € je Kalenderjahr berücksichtigt.

Diese Möglichkeit des Sonderausgabenabzugs bringt vielen Studierenden leider nichts, da sie während des Studiums keine oder nur geringe Einnahmen haben, sodass sich der Ansatz der Aufwendungen als Sonderausgaben bei ihnen nicht auswirken kann. Und die Eltern dürfen die Kosten für die Ausbildung ihrer Kinder grundsätzlich nicht bei sich geltend machen.

Erststudium und Werbungskosten – Ausstehendes Urteil

Die Einstufung der Kosten einer beruflichen Erstausbildung oder eines Erststudiums in den Bereich der Sonderausgaben ist umstritten. Der Bundesfinanzhof entschied im Sommer 2014, dass die Kosten für eine erste Ausbildung bzw. das Erststudium beruflich veranlasst sind und deshalb steuerlich besser berücksichtigt werden müssen. Der Bundesfinanzhof legte die Rechtsfrage dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vor. Wann das Bundesverfassungsgericht abschließend zum Erststudium entscheiden wird, bleibt abzuwarten.

Wenn Sie sich im Erststudium befinden, sollten Sie deshalb – auch bei nicht vorhandenem Einkommen – eine Einkommensteuer-Erklärung abgeben. Tragen Sie die Aufwendungen für das Studium zunächst im Hauptvordruck als Sonderausgabe ein. Verlangen Sie in einem Anschreiben an das Finanzamt zusätzlich, dass die Kosten als Werbungskosten berücksichtigt werden bzw. eine Verlustfeststellung erfolgen soll. Das Finanzamt wird die Studienkosten in Ihrem Steuerbescheid dann mit einem Vorläufigkeitsvermerk versehen (bei Erhalt bitte prüfen!). Sollte sich die Rechtslage dann zu Ihrem Gunsten ändern, können Sie bei Berufseinstieg mit einer Steuererstattung rechnen.

Tipp: Sollten Sie während des Studiums keine Steuererklärung abgegeben haben, können Sie dies auch nachträglich tun. Steuererklärungen können im Regelfall bis zu vier Jahre rückwirkend (in Sonderfällen wie diesem sogar bis zu 7(!) Jahre später) abgegeben werden.

(Stand 19.01.2016)

>> Seite 1: Weiterbildung steuerlich absetzen – so funktioniert's

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