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Zoom-Fatigue: Tipps gegen die Videokonferenz-Müdigkeit

Warum uns Videocalls schlauchen und wie wir der Erschöpfung ein Ende setzen

Tag für Tag dasselbe Spiel. Hier mal eben in das eine virtuelle Meeting einwählen. Und kaum ist der “Auflegen”-Button gedrückt, ist man schon auf dem Sprung in den nächsten Videocall. Wenn das das neue Arbeiten sein soll, dann brauche ich in Zukunft mehr Urlaubstage, denkt sich der ein oder andere Arbeitnehmer, seit er coronabedingt ins Home-Office geschickt wurde. Denn die Tage schlauchen. Gefühlt bewegt man sich zu Hause keine 100 Meter am Tag und dennoch ist man nach Feierabend ausgepowert, als hätte man einen Halbmarathon zurückgelegt. Schuld daran sind vor allem die unzähligen Video-Meetings, mit denen die sogenannte Zoom-Fatigue einhergeht: die Müdigkeit und Erschöpfung durch virtuelle Kommunikationsplattformen.

Einer Studie des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) zufolge kennen 60 Prozent der Befragten Zoom-Fatigue aus eigener Erfahrung, bei den meisten tritt sie manchmal auf, rund 15 Prozent leiden permanent darunter. Und das sieht man: Kaum ein Videocall vergeht, ohne dass einem einer der Kollegen vor der Kamera herzhaft ins Gesicht gähnt, sich ein anderer die Augen reibt. Und das, obwohl sie eigentlich ausgeschlafener sein müssten. Schließlich entfällt im Home-Office der Arbeitsweg, die meisten können morgens also ein bisschen länger im Bett liegen bleiben. Das hilft aber alles nichts bei Zoom-Fatigue, wobei der Name der Kommunikationsplattform Zoom stellvertretend für alle virtuellen Kommunikationstools steht, die seit Beginn der Corona-Krise beliebter denn je sind.

Knackpunkt: Fehlende nonverbale Kommunikation

Warum strengen uns aber Video-Meetings so an? Wir sind doch mit Fernsehen groß geworden, müssten dadurch eigentlich gut mit Videokonferenzen klar kommen, oder? Die Realität spricht andere Bände. Videos gucken war bislang für die meisten nur mit Konsum verbunden: Wir setzen uns vor die Glotze und konsumieren, was da gerade läuft. Bei Videokonferenzen ist das anders: Da glotzt die Glotze quasi zurück und neben unseren Kollegen sind wir selbst auch noch Teil des Films. Das ist für uns ungewohnt.

Die Hauptursache für die Zoom-Fatigue ist die unnatürliche Interaktion, die wir in Videocalls erleben: Die nonverbale Kommunikation, die unbewusst in unsere Einschätzung von Situationen einfließt, bleibt auf der Strecke. Mimik und Gestik sind in den kleinen Videokästchen auf dem Bildschirm schwer zu entziffern. Also konzentrieren wir uns mehr darauf und das kostet Energie. Doch nicht nur das: In Video-Meetings versuchen wir, einen Blick in die Runde zu werfen, wie wir es von analogen Meetings kennen. Wir versuchen, so viele Kollegen wie möglich gleichzeitig wahrzunehmen. Das fordert und überfordert unsere Augen und unser Gehirn. Wenn dann jemand laut atmet, sich an der Nase kratzt, schlichtweg bei jeder Bewegung und jedem Geräusch Bildwechsel stattfinden, kommt es schnell zu einem Overload. 

Auf dem virtuellen Präsentierteller

Hinzu kommt, wie oben schon erwähnt, dass wir in virtuellen Meetings nicht einfach nur Beobachter sind wie beim Fernsehen, sondern zugleich eine Fernsehrolle inne haben. Wir stehen also selbst unter Beobachtung – und zwar nicht nur unserer Kollegen und Vorgesetzten. Nein! Wir beobachten uns zugleich auch selbst. Eines der kleinen Videofensterchen im Computerbildschirm weist uns nämlich ständig darauf hin, dass wir selbst vor der Kamera stehen. Wir beobachten uns also selbst bei unseren Konversationen Das ist eine völlige neue Situation für alle Videokonferenzteilnehmer. Damit konfrontiert denkt man auf einmal darüber nach, wie man dabei auf andere wirkt, ob die Haare richtig liegen, der Ausschnitt nicht zu tief ist oder das Hemd schon immer so gespannt hat. Videocalls verstärken unsere Selbstwahrnehmung und damit auch die Selbstkontrolle. Man will schließlich nichts machen, was einen schlechten Eindruck hinterlassen könnte, will nicht unaufmerksam erscheinen, wenn die anderen einen beobachten. Also beobachtet man sich selbst sehr viel genauer als in analogen Meetings. Das fördert die Zoom-Fatigue.

Ein weiterer Punkt, den die Teilnehmer der IBE-Studie vermehrt als Ursache für die Belastung von Videokonferenzen anführen, ist die Technik. Genauer gesagt sind es die Tücken der Technik, die Frust fördern. “Hört ihr mich?” oder “Mein Internet ist gerade abgeschmiert!” sind Sätze im Bullshit-Bingo jedes Heimarbeiters: Sie fallen nahezu täglich. Je größer die Teilnehmerzahl der virtuellen Konferenzrunde, desto höher die Wahrscheinlichkeit. Technische Probleme gehören quasi zur Tagesordnung. Viele davon lassen sich nicht einmal aktiv beeinflussen. Instabiler Datentransfer, eingefrorene Videobilder, Zeitverzögerungen, schlechte Tonqualität – in Sachen technischer Probleme gibt es ständig etwas Neues zu entdecken. Und das führt zu Frust.

Die Symptome

Denn wer glaubt, dass Zoom-Fatigue lediglich mit Müdigkeit einhergeht, der liegt falsch. Die Symptome sind vielseitig und überwiegend psychischer Natur. So gehören Konzentrationsschwierigkeiten ebenso dazu wie Ungeduld, Genervtsein, Reizbarkeit und und mangelnde Ausgeglichenheit.

Hilfsmittel gegen die Erschöpfung

Damit die Zoom-Fatigue nicht zum Dauerzustand wird, sollten folgende Tipps miteinander kombiniert werden:

1. Pausen einlegen

Zwischen analogen Meetings finden oftmals Raumwechsel statt. Es gibt die Gelegenheit, sich mal eben noch eine Tasse Kaffee zu holen oder kurz die Toilette aufzusuchen. Es finden also kleine Pausen statt, die den Meetingteilnehmern helfen, Abstand vom vergangenen Meeting zu nehmen und sich gedanklich auf den nächsten Termin vorzubereiten. Bei Videokonferenzen werden diese Zeiten oft nicht eingeplant. Das nächste Meeting ist schließlich nur einen Mausklick entfernt. Jedoch sind Pausen immens wichtig, um die Zoom-Fatigue zu bezwingen.

2. Meetingdauer begrenzen

Ein Meeting mit 45 Minuten anzusetzen anstelle von einer Stunde, macht psychologisch einen großen Unterschied. Es hat einen Grund, weshalb Schulstunden nur 45 Minuten zählen: Danach lässt erwiesenermaßen die Konzentration nach. Im Kampf gegen die Zoom-Fatigue sollte also die Dauer der Video-Meetings begrenzt und vor allem verkürzt werden. Ist es nicht möglich, eine Videokonferenz in 45 Minuten durchzuführen, dann sollte nach der Zeit eine Pause von 5 bis 10 Minuten eingeplant werden, damit die Teilnehmer danach wieder aufnahmefähig sind.

3. Teilnehmerzahl beachten

Je mehr Kollegen an einem Videocall teilnehmen, desto größer wird die Anstrengung und desto geringer wird der eigene Anteil am Meeting. Besser ist es, die Teilnehmerzahl bei virtuellen Meetings auf maximal acht bis zehn zu begrenzen. So haben alle Teilnehmer die Gelegenheit, sich aktiv einzubringen. Wer selbst aktiv wird, den schlauchen Meetings weniger als wenn er diesen nur als passiver Zuhörer beiwohnt. 

4. Meetinganzahl reduzieren

Wann braucht es wirklich ein Meeting? Diese Frage sollten wir uns immer stellen, ehe wir die Einladung zu einem Videocall verschicken. Lässt sich manches auch auf dem kurzen Dienstweg klären? Reicht eine E-Mail zur Übermittlung der Informationen vielleicht sogar aus? Je weniger Meetings im Terminkalender stehen, desto geringer wird das Risiko für eine Zoom-Fatigue. Vieles lässt sich tatsächlich in kürzerer Zeit auf kürzerem Weg erledigen.

5. Alternative Kommunikationsmethoden nutzen

Ist ein Meeting unbedingt erforderlich, lohnt es sich im Home-Office über andere Kommunikationsmethoden als die Videokonferenz nachzudenken. Konferenzschaltungen haben wir doch schon vor Corona durchgeführt, oder? Und zwar mit dem guten alten Telefon. Liegen Videokonferenztools vor, muss man nicht einmal zum Hörer greifen: Man kann einfach die Videofunktion deaktivieren und sich nur über den Ton zusammenschalten. Das hat nicht nur den Vorteil, dass die Übertragungsqualität deutlich besser ist. Es trägt auch stark zur Reduzierung des Zoom Fatigue bei: Bei einer Telefonkonferenz gibt es kaum Ablenkungen. Man konzentriert sich auf das, was gesprochen wird, sitzt nicht auf dem Präsentierteller und fühlt sich deutlich weniger geschlaucht.

Fazit: Wer im Home-Office arbeitet, kommt um Videokonferenzen nicht herum. Doch diese müssen einem nicht unnötig Energie rauben. Wenn man ein paar Dinge berücksichtigt, lässt sich das Risiko für eine Zoom-Fatigue deutlich reduzieren. Eins ist schließlich sicher: Videocalls werden selbst dann eine größere Rolle spielen, wenn sich der Arbeitsalltag wieder normalisiert hat. Denn durch die Corona-Pandemie haben viele Firmen gelernt, dass Dienstreisen oftmals überflüssig sind: Videokonferenzen haben sich als genauso effektiv und deutlich kostengünstiger erwiesen. Auch Büroflächen wurden verkleinert, wenn nicht sogar ganz eingestampft, weil die Heimarbeit so gut funktioniert. Kurzum: Die Arbeitswelt von morgen wird die positiven Dinge beider Seiten vereinen: die der analogen und die der digitalen Arbeitswelt – Videotelefonie inklusive.


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