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„Ich bin Kunsttherapeutin geworden, weil ich meine eigenen Bilder verstehen wollte“

„Ich bin Kunsttherapeutin geworden, weil ich meine eigenen Bilder verstehen wollte“

Eine Leidenschaft – ein Weg – Interview mit Heike Voigt-Plewig, Kunsttherapeutin

„Wähle einen Job, den du liebst, und du brauchst keinen Tag mehr in deinem Leben zu arbeiten“ (Konfuzius)

Als Fachrichtung der Künstlerischen Therapien entwickelte sich die Kunsttherapie etwa in der Mitte des 20. Jahrhunderts und gilt damit als eine junge, innovative Therapieform. Von der Gesprächstherapie unterscheidet sie sich insbesondere dadurch, dass vielfältige Medien und Techniken praktisch genutzt werden, um einen nonverbalen Ausdruck zu ermöglichen. Klient*innen gelingt es dadurch, einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen zu erlangen, und diese besser einordnen und verstehen zu können. Auch, wenn sich die Kunst als Therapiemodell ihrerseits noch nicht vollständig in Deutschland durchgesetzt hatte, war für Heike Voigt-Plewig, analytische Kunsttherapeutin, von Anfang an klar, dass hier ihre Berufung liegt …
Das Gespräch mit Heike Voigt-Plewig geführt und aufgeschrieben von Wiebke Semm.

„Ich bin Kunsttherapeutin geworden, weil ich meine eigenen Bilder verstehen wollte“

Das Kreativsein wurde Heike in die Wiege gelegt. Schon ihre Mutter hat viel handgearbeitet und so kam es, dass auch sie sich zunehmend für die Kunst interessierte. Doch der Kunst galt nicht ihre alleinige Liebe: „Als ich Abi in Hamburg gemacht habe, war es noch möglich, das Fach Psychologie zu belegen, sodass ich zu der schönen Kombi Kunst, Psychologie und Biologie kam.“ Ihre Kenntnisse vertiefte sie nach dem Abitur durch ein Studium der Pädagogischen Psychologie, parallel dazu absolvierte sie eine analytische Ausbildung im Bereich Transaktionsanalyse, eine bestimmte Form der Gesprächs-Psychotherapie. Währenddessen lebte Heike ihre Leidenschaft zum Kreativsein weiter aus, unzählige Bilder entstanden, insbesondere auf Basis ihrer Träume. „Ich wollte so gerne mit jemanden meine Bilder besprechen, aber meine Ausbilder*innen, allesamt Analytiker*innen, konnten mit meinen Werken nichts anfangen“, erinnert sie sich. Das Bedürfnis, ein tieferes Verständnis für ihre eigenen Bilder zu erlangen und sich mit jemandem darüber auszutauschen, wuchs, sodass die selbstbewusste Auszubildende einen Entschluss fasste: „Wenn es sonst keiner kann, dann muss ich eben selbst Kunsttherapeutin werden.“ An einem Institut absolvierte Heike schließlich Ende der 90er Jahre eine sechsjährige Ausbildung zur analytischen Kunsttherapeutin, die sich vor allem durch einen hohen Selbsterfahrungsanteil auszeichnete.

„Mich mit der Kunsttherapie zu beschäftigen, Bilder zu betrachten, mit Klient*innen kreativ zu arbeiten – das erfüllt mich“, strahlt sie. Auch wenn das Gespräch mit Heike coronabedingt nur über Videoanruf stattfindet, ist die pure Freude und Lust an ihrer Arbeit allgegenwärtig. Diesem Enthusiasmus kombiniert mit ihrer vielseitigen Expertise ist es wohl zu verdanken, dass Heike auch am Campus einen bleibenden Eindruck hinterließ. Noch während des Bewerbungsgesprächs auf die Stelle als Dozentin für Kunsttherapie druckte die damalige Campus-Leitung ihren Vertrag aus. Mittlerweile ist Heike seit 20 Jahren als Kunsttherapeutin im Geschäft, 12 davon als Dozentin bei campus naturalis.

„Die Kunsttherapie hat nur bedingt etwas mit Kunst zu tun!“

Menschen, die zuvor nicht besonders viel mit dem künstlerischen Schaffen zu tun hatten, mögen aufgrund der Bezeichnung Kunsttherapie voreingenommen sein. „Man sollte nicht den Anspruch haben, ein perfektes Ölgemälde oder eine perfekte Skizze anzufertigen. Wir wollen ja, dass das Unterbewusste zur Sprache kommt“, erklärt Heike. Bilder und Skulpturen, die in den gemeinsamen Sitzungen erarbeitet werden, mögen also nicht im klassischen Sinne schön sein, doch geht es vor allem darum, herauszufinden, welche seelischen Prozesse es haben entstehen lassen. Getreu dem Credo „Es gibt nichts, was nicht verwendet werden kann“ sind dem künstlerischen Ideenreichtum keine Grenzen gesetzt. Von Wachsmalkreiden, Aquarellfarben, schwarzer Tusche, Ton, Gips und sämtlichen Bastel- und Naturmaterialien findet in den Therapiesitzungen alles Verwendung. „Man stellt schnell fest, dass nichts Müll ist“, sagt Heike begeistert. Es gehe primär darum, dem inneren Kind Freude zu machen, es spielen zu lassen. Dennoch liegt die Herausforderung als Kunsttherapeutin darin, zu wissen, welche Methoden für welchen Klienten angebracht sind, diese zielsicher einzusetzen und themenbasiert zu arbeiten.

Wie läuft so eine Kunsttherapie-Sitzung ab?

Als selbstständige Kunsttherapeutin begleitet Heike Menschen durch schwierige Lebensphasen, die mit Abschied, Verlust und Trauer zu tun haben. Wie lang eine Kunsttherapie dauert und in welchen Intervallen sie stattfindet, ist dabei immer individuell. „Am Anfang der Therapie arbeite ich mit meinen Klient*innen zunächst stabilisierend, anschließend kommt die Phase der Konfrontation“. Gerade solch sensiblen Themen erfordern Fingerspitzengefühl und einen breiten Erfahrungsschatz. „Man darf keine Angst vor diesen Prozessen haben, sondern ihnen positiv gegenüberstehen. Jede Träne heilt.“ Denn auch wenn diejenigen, die sich bei Heike in Therapie begeben, eine gewisse Vorliebe für kreativtherapeutische Methoden mitbringen, heißt das nicht, dass die Sitzungen immer reibungslos ablaufen. „Es gibt Menschen, die einen Widerstand aufbauen, Widerstand heißt, dass man eine Schutzwand hochzieht. Aber gerade das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Wichtig sei jedoch, als Therapeut*in diesen Widerstand ernst zu nehmen, zu akzeptieren und immer freundlich und wertschätzend zu bleiben.

Für gewöhnlich schließt sich an eine etwa halbstündige Praxisphase, in der mit verschiedenen Materialien themenbezogen gearbeitet wird, ein Analysegespräch an, in welchem das entstandene Werk ausführlich besprochen wird. Heike nennt beispielhaft verschiedene beliebte kunsttherapeutische Übungen:

  • „Ich als Baum, gleichzeitig eine gute Paarübung, bei der die Einzelnen ihre Beziehung als zwei Bäume darstellen. Bei dem einen kuscheln sich vielleicht zwei Tannen aneinander, bei dem anderen sind die Bäume von einer Berglandschaft getrennt“, veranschaulicht sie. Eine andere Übung nennt sich
  • „Ich als Wolpertinger“. Ein Wolpertinger ist ein bayerisches Fabelwesen, ein Mischwesen, das aus unterschiedlichen tierischen Körperteilen besteht, wie etwa ein Hase mit Entenflügeln und Geweih. „Bei dieser Übung konzentrieren wir uns auf unsere Fähigkeiten. Wenn ich also mutig bin, wähle ich vielleicht eine Löwenmähne, wenn ich intelligent bin, kommen Hasenohren hinzu usw.“

Auch wenn die Möglichkeiten praktischer Übungen in der Kunsttherapie schier endlos sind, habe auch Heike bereits die Erfahrung gemacht, dass für manch ihrer Klient*innen die Kunsttherapie nicht ausreicht, um gesund zu werden. „Meine Klientel sind die normalen Neurotiker (lacht). Personen mit einer tiefgreifenden Störung, wo ggf. eine traumatische Erfahrung vorliegt, benötigen aber unbedingt eine multiprofessionelle Behandlung. Auch das muss ich erkennen und die Leute entsprechend weiterschicken.“

Wer nur mit schwarz malt, ist depressiv?

Jeder Mensch ist anders und hat verschiedene Vorlieben – das gilt auch für die Kunst. Wer als Laie nach der Bedeutung in Gemälden sucht, dem kommen vielleicht folgende Gedanken in den Sinn: Bunte, helle Farben sprechen für eine positive Gesinnung, wohingegen Schwarz mit negativen Aspekten wie Trauer, Tod oder Unglück gleichzusetzen sind. Haben Künstler*innen oder auch Klient*innen, die vornehmlich schwarzmalen, also eine Tendenz dazu, depressiv zu werden oder sind es bereits? Diese Art von Pauschalisierungen lehnt Heike vehement ab: „Es gibt sogenannte Deutungsbücher, z.B. wird das, was auf der rechten Seite eines Bildes zu sehen ist, der Vergangenheit zugeordnet und umgekehrt das, was links ist, der Zukunft, doch davon halte ich persönlich nicht viel.“ Die Deutungshoheit des eigenen Werks sollte demnach stets bei der Klientin / dem Klienten liegen. Heike, die während ihrerAusbildung nach C.G. Jung, Begründer der analytischen Psychologie, viel mit der Bedeutung von Symbolen zu tun hatte, geht es primär um die Selbsterfahrung. Darum, dass die Gefühle der Klient*innen erarbeitet werden. Über diese zu sprechen und sie zuzulassen, fällt vielen Menschen schwer, weil wir schmerzhafte Emotionen lieber unterdrücken, als sie zu durchleben. „Doch leider ist es tatsächlich so, dass die Heilung meist erst durch den Schmerz möglich ist.“

Was lernen Auszubildende an der campus naturalis Akademie?

Sich zu trauen, den Finger in die Wunde zu legen, seinen Gegenüber womöglich mit unangenehmen Emotionen zu konfrontieren, dabei aber nie das Feingefühl zu verlieren – Das ist die große Herausforderung, der sich die Kunsttherapie-Lernenden stellen müssen. „Wenn man noch in der Ausbildung ist, hat man eine gewisse Scheu davor, jemand anderen zu seinen Gefühlen zu bewegen, vielleicht sogar zum Weinen zu bringen“, erklärt Heike. „Man merkt dann, dass es unangenehm werden könnte, und redet dann sprichwörtlich um den heißen Brei herum.“ Diese Gesprächsführung ist es daher, die wieder und wieder geübt werden muss und die die Auszubildenden letztendlich auf ihre spätere therapeutische Arbeit vorbereitet. Daher schätzt es Heike im besonderen Maße, dass diesem praktischen Üben bei campus naturalis so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Bei der „Livesupervision“ fungiert einer der Teilnehmenden als Therapeut*in und ein anderer als Klient*in, die/der sein Werk vorstellt. Dann gilt es, keine Angst vor dem zu haben, was da vielleicht an Gefühlen auf den Tisch kommt. „Die Kunst ist es, auch negative Gefühle konstruktiv umzuwandeln, sodass eine positive Lernerfahrung daraus resultiert“, resümiert Heike.

Daskreative Basisjahr an der Akademie ermöglicht es allen Lernenden, abwechselnd im Wochenend-Rhythmus, die unterschiedlichen kreativtherapeutischen Disziplinen Kunst, Musik, Tanz und Drama kennenzulernen.
Haben sich die Teilnehmenden entschieden, geht es in die jeweiligen Vertiefungskurse, für welche eine besondere Faustregel gilt: Maximal ein Drittel besteht aus Theorie, der Rest ist Praxis.

„Die Teilnehmenden bekommen einen Reader mit den theoretischen, prüfungsrelevanten Inhalten. Mir ist wichtig, dass wirklich jeder abgeholt wird und die Grundlagen verstanden hat. Wenn wir damit durch sind, kommt der praktische Teil, die Methodenvermittlung“, erklärt Heike. Von dem Bau einer Gipsskulptur über den Umgang mit Ton bis hin zur Gestaltung von aufwendigen Masken und Kostümen ist alles denkbar. Es wird erklärt, gebaut und im Anschluss besprochen. Die Intensivausbildung zur/zum anerkannten Kunsttherapeut*in kann nach etwa eineinhalb Jahren mit diesen Abschlüssen vollendet werden:

  • Kunsttherapeut*in mit gleichzeitiger Belegung einer Heilpraktiker-Ausbildung oder mit Nachweis der staatlichen Zulassung zum Therapieren
  • Klinische/r Kunsttherapeut*in mit Nachweis aller Praxisstunden im klinischen Setting
  • Therapeutische/r Kunstpädagog*in

Wie war der Prozess? Welche Gedanken kamen auf? Um diese Fragen dreht sich die Arbeit der zukünftigen Kunsttherapeut*innen und Kunstpädagog*innen. „Ich bin nun seit ungefähr zwei Jahrzehnten Kunsttherapeutin und immer noch begeistert von der Verbindung, die dadurch geschaffen wird.“

ie verläuft die Ausbildung zur/m KunsttherapeutIn in Zeiten von Corona?

Von anderen zu lernen, Feedback zu erhalten, sich weiterzuentwickeln – all das macht die Ausbildung am Campus so spannend und lehrreich. Doch wie lässt sich das mit der aktuellen Situation vereinbaren? Schließlich basieren zwei Drittel der Ausbildungsinhalte an der campus naturalis Akademie auf dem hohen Praxisbezug. Aus diesem Grund hat der Campus bereits beim ersten Lockdown vor einem knappen Jahr alle Hebel in Bewegung gesetzt, die Dozent*innen für denOnline-Unterrichtgeschult, und damit sichergestellt, dass die Kurse weiterhin stattfinden können. „Ich hatte mittlerweile bestimmt über 100 Stunden Zoom-Unterricht“, sagt Heike. Die Kursvorbereitungen verlaufen jedoch etwas anders als sonst. Damit die Übung von Zuhause aus durchführen können, werden die Lernenden zeitnah über den Inhalt der nächsten Übungseinheit informiert. Dann können sie sich etwaiges Material für die Praxisübung besorgen und alles drumherum entsprechend vorbereiten. Sogar die Auswertung und das Analysegespräch werden über Video realisiert. „Natürlich ist es in unserem Beruf besser, sich Face-to-Face zu sehen, um sein Gegenüber besser wahrzunehmen, aber alles in einem funktioniert das erstaunlich gut.“
Und eine gute Sache haben die Online-Kurse in jedem Fall: „Man lernt noch mehr Personen aus ganz Deutschland kennen“, freut sich Heike. „Und das ist für mich auch das Besondere an der Arbeit am Campus: Dieses Potpourri an Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen, die doch alle dieselbe Leidenschaft eint.“



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