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Vom Online-Marketing-Assistenten zum Business Unit Manager

Im Interview: Ingmar Bertram blickt auf die Anfänge zu zweit und das Wachstum von kursfinder.de zurück

Von Vanessa Schäfer

Aus einer Auszeit in Schweden wird ein erfolgreiches neues Leben: Ingmar Bertram hat die erste Stunde von kursfinder.de vor zehn Jahren miterlebt. Das Weiterbildungsportal trägt vor allem seine Handschrift: Er hat die Seite mit Inhalten gefüllt, die Kursdatenbank aufgebaut und im Hintergrund an den technischen Feinheiten mitgearbeitet, damit unsere Suchmaschine so funktioniert, wie sie heute funktioniert. Neue Herausforderungen hat er nie gescheut. Das macht ihn zu dem, den er heute ist: zum Business Unit Manager von kursfinder.de. Im Interview schaut Ingmar Bertram auf die Anfänge zurück, veranschaulicht, was er von den Schweden gelernt hat, und welche Höhepunkte in der 10-jährigen Firmengeschichte für ihn von besonderer Bedeutung sind.

Ingmar, wie bist du als Deutscher überhaupt nach Schweden gekommen?

Ich habe in Berlin Medienökonomie studiert und mich direkt im Studium selbstständig gemacht, zunächst mit einer Medienproduktionsfirma und danach mit einer Werbeagentur. Nach anfänglich sehr starken Jahren ging mir die Zeit nach der Finanzkrise 2009 und die zähe Suche nach Investoren für ein größeres Projekt mit der Werbeagentur gesundheitlich sehr an die Substanz. Da habe ich mich für einen harten Reset entschieden und bin recht spontan in den hohen Norden gezogen.

Wie haben sich die Wege von dir und der Educations Media Group (EMG), der kursfinder.de angehört, dann gekreuzt?

Das war purer Zufall! In Göteborg, wo ich meine ersten Wochen in Schweden verbrachte, wurde mir bei der lokalen Arbeitsagentur ein Job als “Online-Marketing-Assistent” bei einem Unternehmen in Stockholm vorgeschlagen, auf den ich mich dann prompt bewarb und den ich auch bekam. “Online-Marketing-Assistent” war dabei jedoch völlig untertrieben. Vielmehr bestand meine Aufgabe darin, gemeinsam mit einer Kollegin im Vertrieb die Webseite kursfinder.de als deutschen Ableger der schwedischen Konzernmutter redaktionell aufzubauen. Und so kam ich also zu kursfinder.de.

Wie sah deine Arbeit anfangs bei kursfinder.de aus?

Offiziell war ich Online-Marketing-Assistent, aber das Besondere hier war, dass es niemanden gab, dem ich assistieren konnte. Es gab die Domain kursfinder.de und eine lose aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzte Webseite mit nur wenigen Inhalten. Ich hatte die Aufgabe, die Webseite mit Inhalten zu füllen, eine Kursdatenbank aufzubauen und für tolle Google-Rankings zu sorgen. Von Anfang an hieß es: “Mach einfach mal, Probleme lösen wir, wenn sie aufkommen!” Für mich mit meiner Historie als Selbstständiger war das natürlich eine tolle Ausgangslage. Und meine damalige Kollegin Berit legte im Vertrieb direkt los wie die Feuerwehr – sie schaffte es, unseren Kunden damals unsere Vision und unseren Enthusiasmus zu verkaufen, obwohl es weder eine fertige Webseite noch Besucher oder gar Google-Rankings gab.

Wie hat sich deine Rolle im Laufe der Zeit entwickelt?

Zunächst wurde die Rolle sehr technisch. Ich wurde früh mit dem Problem konfrontiert, dass deutsche Weiterbildungsanbieter viel mehr Kurse und Kurstermine anbieten, als es auf unseren anderen Märkten in Schweden, Finnland und Dänemark damals üblich war. Unsere damalige Praxis, Kurse von Hand in eine Datenbank einzutragen, war dementsprechend sehr ineffizient. Also habe ich gemeinsam mit unseren Programmierern in Stockholm Schnittstellen zur automatisierten Datenübertragung entwickelt und generell kursfinder.de mehr und mehr auf die Bedürfnisse eines großen Marktes ausgerichtet. Bis zum Weggang meiner Kollegin Berit im Frühjahr 2019 war ich in meiner Rolle primär das Bindeglied zur Produktentwicklung in Stockholm und allgemein als technischer Problemlöser unterwegs. Nachdem Berit kursfinder verlassen hatte, habe ich mehr und mehr die operative Gesamtverantwortung für das deutsche Tochterunternehmen der Educations Media Group, die kursfinder GmbH, übernommen und damit folgten neue administrative und repräsentative Aufgaben. Wenn zeitlich möglich, bin ich aber immer noch gerne in spannende technische Entwicklungen in unserem Mutterkonzern involviert.

Wie unterscheidet sich die Arbeit heute im großen Team von den Anfängen, als ihr nur zu zweit wart?

Sie unterscheidet sich erheblich! Kommunikation ist alles. Ich habe ein fantastisches Team, in dem jede/r eigene Verantwortungsbereiche besitzt und entsprechend selbstständig agiert, was aber bei Entscheidungen viel Abstimmung erfordert. In der Hinsicht orientiere ich mich am schwedischen Managementstil, bei dem viel Wert darauf gelegt wird, dass alle MitarbeiterInnen ein Mitspracherecht haben. Das ist sicherlich teilweise herausfordernd, aber wir fahren damit bisher sehr erfolgreich. Es kommt besonders darauf an, dem Team regelmäßig das “große Ganze”, die Vision von kursfinder.de, aufzuzeigen, da sonst die Gefahr besteht, dass man in Details verloren geht. Deswegen veranstalten wir zweimal pro Jahr ein Kickoff-Event, um gemeinsam als Team zu schauen, worauf wir hinarbeiten und welche Projekte wir uns im Hinblick auf die Vision für die kommenden Monate vornehmen.

Außerdem erwische ich mich immer wieder dabei, doch mal wieder schnell ein Detailproblem auf der Seite selber zu lösen, obwohl ich es eigentlich an jemandem im Team abgeben sollte – das sind dann noch so Überbleibsel aus der Zeit zu zweit.

Welche Erfolge in der zehnjährigen Geschichte von kursfinder.de magst du nicht missen?

Highlights waren sicherlich die verschiedenen Auszeichnungen, die wir in den vergangenen Jahren erhalten haben. 2020 wurden wir vom Deutschen Institut für Service-Qualität (DISQ) und dem Nachrichtensender n-tv als eines von Deutschlands besten Online-Portalen ausgezeichnet. Konzernintern gewannen wir zweimal den “Team of the Year”-Award. Zum ersten Mal 2011, nachdem Berit und ich einen Raketenstart hingelegt und neue Maßstäbe für den erfolgreichen Start eines neuen Marktes innerhalb der Educations Media Group gesetzt hatten, und zum zweiten Mal dann 2018, als wir als Team schon eine stattliche Größe erreicht hatten. Persönlich als großen Erfolg habe ich es auch erlebt, als wir erstmalig in Sachen Sichtbarkeit unter allen deutschsprachigen Weiterbildungsportalen bei Google den ersten Platz einnehmen konnten und uns seither dort auch gehalten haben. Oder 2019, als wir unseren aufwendig produzierten L&D-Report auf der L&D-Pro-Messe in München präsentieren konnten. Anfang 2021 durften wir mit kursfinder.de mit unseren Nutzerstatistiken an einem Headliner-Artikel der Wirtschaftswoche über Weiterbildung mitwirken, das war ein toller Erfolg für unser ganzes Team. Aber über die Jahre gab es viele Meilensteine, die ich nicht missen möchte: zum Beispiel erstmals über eine Millionen Besucher auf dem Portal verzeichnen zu können oder die Eine-Million-Euro-Umsatzmarke durchbrochen zu haben.

Führen auf Distanz ist für dich nicht neu: Welche Tipps kannst du Führungskräften geben, für die das eine neue Herausforderung ist?

Kontrolle und Verantwortung abgeben und Vertrauen zeigen! Es ist nicht möglich, Mitarbeiter auf Distanz zu kontrollieren, ohne dass das Verhältnis zum Mitarbeiter darunter erheblich leidet. Da ich primär in Stockholm wohne, mein Team jedoch größtenteils in Mannheim sitzt, habe ich schon vor der Corona-Krise viele Meetings mit meinem Team per Videokonferenz oder Telefon abgehalten. Nun arbeiten fast alle im Home Office und das ist nochmal extremer, aber meiner Erfahrung nach ist mein Team seit Beginn der Corona-Krise über sich hinausgewachsen. Wir sind eher noch produktiver geworden, Meetings sind kürzer und werden effektiver genutzt und die “Ownership” bei den einzelnen Teammitgliedern für ihre jeweiligen Verantwortungsbereiche hat sich eher noch verstärkt. Wir machen jeden Morgen kurze Check-In-Meetings, bei denen jede/r im Team kurz den gestrigen Tag resümiert und Ausblicke in den kommenden Tag gibt. Ich selber bin fürs Team auf kurzem Wege per Telefon oder internem Slack-Messenger immer erreichbar, wenn Unterstützung benötigt wird.

Nach all der Zeit in Schweden hast du inzwischen neben einem deutschen auch einen schwedischen Pass. Was an dir ist typisch deutsch und was typisch schwedisch?

Spannende Frage, typisch schwedisch bei mir ist der Managementstil – hier ist es mir sehr wichtig, bei Entscheidungen niemanden einfach zu übergehen, und ich glaube fest an das Konzept, MitarbeiterInnen feste Verantwortungsbereiche zuzuweisen und sie selbstständig agieren zu lassen. Fehler machen ist erlaubt, solange man daraus lernt und sie nicht wiederholt. Außerdem achte ich selbst bei großem Arbeitsaufkommen auf die Einhaltung einer Work-Life-Balance, was für das Arbeitsleben in Schweden sehr typisch ist. Typisch deutsch ist mein Kommunikationsstil – da bevorzuge ich eine wesentlich direktere Kommunikation als es in Schweden üblich ist, allerdings bin ich da anpassungsfähig, um meinen schwedischen Kollegen im Stockholmer Büro nicht ständig auf die Füße zu treten. Und ich glaube, sehr effektiv arbeiten zu können, was ich auch als typisch deutsch bezeichnen wurde.

Welche Fun Facts und Anekdoten sind dir in 10 Jahren kursfinder.de in Erinnerung geblieben?

Über einen längeren Zeitraum hinweg war der Kurs mit den meisten Anfragen auf kursfinder.de ein Patisserie-Kurs.

Gelegentlich kommen User auch mal in unserem Mannheimer Büro vorbei – ein User sogar regelmäßig und berichtet uns dann über seine laufenden oder zurückliegenden Weiterbildungen. Wir sind nicht auf Laufkundschaft ausgerichtet, aber freuen uns schon über solche Begegnungen!

Und über einige Monate hinweg war aufgrund eines technischen Fehlers eine eigentlich zentral auf unserer Startseite platzierte Textbox auf kursfinder.de auf Finnisch, was uns partout nicht auffallen wollte, bis uns irgendwann ein Kunde darauf aufmerksam machte ;-)