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Weiterbildungskompass für Flüchtlinge 


Wie können Potenzial und Arbeitsmarkt schneller zusammenfinden?

Welche Weiterbildung steht Flüchtlingen offen und zu welchem Zeitpunkt? Und was bietet das Internet an freien Möglichkeiten? kursfinder.de hat sich auf die Suche nach den Hürden, Hindernissen und Chancen gemacht und mit dem Weiterbildungskompass einen Überblick zusammengestellt.

von Annika Breutmann, Redaktion kursfinder.de

impossible

In Deutschland wird zum Teil händeringend nach Arbeitskräften und Auszubildenden gesucht. Gleichzeitig strömen derzeit so viele Menschen ins Land wie selten zuvor. Es wäre doch ein Leichtes, beide Seiten zusammenzubringen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Denn erst muss der rechtliche Status bestimmt werden. Und der Ausbildungsstand, oder besser gesagt, die Erfahrungen und Fertigkeiten, die nun einmal in völlig anderen Ländern unter völlig anderen Bedingungen erlernt wurden, müssen an hiesige Verhältnisse angepasst werden. Bezüglich der Qualifikationen von Geflüchteten kommt ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit zu einer ernüchternden Prognose: „Wenn man davon ausgehen kann, dass rund 80 Prozent der Neuankömmlinge über keine verwertbaren Qualifikationen verfügen, dann wird der Nachholbedarf recht hoch sein.” Pragmatisch gesehen fehlt es also an Sprachkursen, Weiterbildungen und Schulungen. Auch hier bietet Deutschland ein weitgefächertes Angebot. Doch welche Möglichkeiten gibt es für die Neuankömmlinge? kursfinder.de hat mit dem Weiterbildungskompass für Flüchtlinge eine Auswahl zusammengetragen.

Deutsch lernen mit dem Integrationskurs

Sicherlich am populärsten sind die sogenannten Integrationskurse, die über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) organisiert und gefördert werden. Daran teilnehmen können alle, die einen „positiven“ Bescheid erhalten haben, für einige kann der Kurs mittlerweile sogar verpflichtend sein. Weiterhin werden Personen mit sogenannter hoher Bleibeperspektive noch während des Asylverfahrens zugelassen. Dies sind momentan Menschen aus Ländern wie Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Auch für jene mit Migrationshintergrund, die schon lange in Deutschland leben, stehen die Kurse offen. Für alle Neuankömmlinge erfolgt die Anmeldung oft über die Ausländerbehörde oder die jeweilige Koordinierungsstelle direkt bei den Erstaufnahmestellen. Allerdings muss auch dieser Bescheid, der Antrag auf die Berechtigung an der Teilnahme an einem Kurs, erst über das BAMF gestellt und auch dort genehmigt werden. Nicht nur lange Wartezeiten erschweren einen schnellen Zugang, die Kurse können bereits belegt sein. Dennoch bieten die Integrationskurse für viele eine erste Möglichkeit, Deutsch zu lernen und damit überhaupt erste Grundlagen für die Jobsuche zu legen. (Weitere Informationen zu den Integrationskursen gibt es auf der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.)

„Ich spreche Deutsch“ – schnelle Lernhilfen aus dem Netz


Deutsch lernenWer nicht lange warten möchte, findet auch außerhalb der Behördenmühlen durchaus pfiffige Angebote im Netz. Da die meisten Flüchtlinge ein Smartphone haben und auch viele Erstaufnahmestellen eine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen, sind die Angebote aus dem Internet vielen direkt zugänglich. Unter diesen Angeboten wurden drei für den Weiterbildungskompass herausgepickt:

  • Willkommen - Deutschlernen für Flüchtlinge, Web-Angebote und Apps zum kostenlosen Download des Goethe Instituts. Hier gibt es viele interaktive Sprachhilfen und die Option, mit anderen zusammen spielerisch Deutsch zu lernen.
  • Learn German der Deutschen Welle mit vielen Online-Kursen unterschiedlichen Niveaus, einem „Course finder” und XXL-Nachrichten, langsam gesprochene Nachrichten, zum besseren Hörverstehen.
  • ich-will-deutsch-lernen des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. Eine Sprachlernhilfe für das selbstständige Lernen oder als Unterrichtsbegleiter von Niveau A1-B1. Integriert ist auch eine eigene Soap mit 45 Folgen „Schnitzel und Dolmades”. Eine Sprachauswahl ‘arabisch’ ist ebenfalls möglich.
  • welcomegrooves: kostenlose Audio-Sprachkurse mit MP3-Download – deutsche Kultur, Redewendungen und über die Musik einen ersten Einstieg in die deutsche Sprache erhalten.

Ausbildung und Studium

Das deutsche Handwerk sucht mit der Kampagne „Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hinwill.“ aktiv unter den Flüchtlingen nach Auszubildenden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks bietet mit einer Infobroschüre eine Übersicht, welche Bedingungen für die Aufnahme einer Ausbildung erfüllt sein müssen. Über allgemeine Informationen zu Möglichkeiten der Weiterbildung oder der Ausbildung verfügt auch die Seite "Make it in Germany", eine Zusammenarbeit des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit. Hier kann bereits vorab nach ersten Ansprechpartnern in den Heimatländern gesucht werden, um sich über mögliche Zugangshürden zu informieren. Da das deutsche Asylverfahrensgesetz nicht nur kompliziert ist, sondern die Verfahrensschritte letztendlich Ländersache sind, kursieren viele Auslegungen. Über rechtliche Fallstricke und mehr Klarheit über die Rechte der Asylsuchenden informiert der GGUA Flüchtlingshilfe e.V.

Viele junge Flüchtlinge hoffen, in Deutschland ein Studium aufnehmen oder fortsetzen zu können. Doch ohne Papiere, ohne Klärung des Aufenthaltstitels und ohne Hochschulzugangsberechtigung ist das schwierig. Die Kiron University ist eine Art Universität 2.0. Für die ersten zwei Jahre können sich Studieninteressierte über vereinfachte Verfahren anmelden und an den Kursen teilnehmen. Über die sogenannten MOOCs (massive open online courses) können junge Geflüchtete von überall aus studieren. Die Kiron University geht dabei nicht nur auf die Problematik fehlender Hochschulzeugnisse ein, sie löst auch ein ganz anderes Problem: Oft warten junge Asylbewerber wochen- und monatelang auf einen Bescheid. Bis dieser kommt, sind sie meist in Erstaufnahmestellen untergebracht und werden dann auf die Gemeinden verteilt. Ein Ortswechsel ist somit normal, erschwert aber die Anmeldung an einer bestimmten Standortuniversität, wenn nicht geklärt ist, wo der Neuankömmling wohnen wird. Nach zwei Jahren können die Studierenden sich für eine deutsche Hochschule einschreiben – in der Hoffnung, dass bis dahin alle notwendigen Unterlagen vorhanden sind und der rechtliche Aufenthaltsstatus geklärt ist. Allerdings steckt das ehrgeizige Projekt noch in den Kinderschuhen. Ob der Wechsel von der Online- zur Standortuniversität so problemlos funktioniert, ist noch nicht erprobt.

Wer hingegen bereits konkrete Studienpläne hat, kann sich auch direkt an die Studienberatung der Agentur für Arbeit oder die jeweiligen Akademischen Auslandsämter der Hochschulen wenden.

Förderung ‚on the job’, Integration durch Sport

Wer schon einmal länger im Ausland war, weiß es aus eigener Erfahrung: Am schnellsten lernt sich eine neue Sprache über den Integration SportKontakt mit Einheimischen. Doch genau das ist für viele Flüchtlinge die fast schwierigste Hürde. Wer nach Deutschland kommt, hier registriert wird und auf einen Bescheid des BAMF wartet, der durchläuft zwangsläufig verschiedene behördliche Instanzen, bis er überhaupt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Während dieser Zeit sind die meisten in Mehrfachunterkünften mit anderen Flüchtlingen untergebracht.

Die Internetplattform Workeer der beiden Studenten David Jacob und Philipp Kühn bringt Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammen – direkt und unbürokratisch. In einer einfachen Maske können Arbeitssuchende angeben, was sie können, über welche Sprachkenntnisse sie verfügen und welche Jobs sie suchen. Unternehmen stellen auf der anderen Seite ihr Profil ein, sodass sich die Nutzer der Seite auch gezielt auf ausgeschriebene Stellen bewerben können. Leider sind zurzeit keine Zahlen über die Erfolgsquote der Vermittlung bekannt. Und weiterhin ist der rechtliche Status der Bewerber nicht unbedingt geklärt, die Unternehmen müssen hier Initiative zeigen. Dennoch haben die beiden Studenten ein beachtliches Projekt auf die Beine gestellt.

Das Bundesland Hessen geht einen ganz anderen Weg, um Neuankömmlingen den Weg in die Mitte der Gesellschaft zu erleichtern: Das hessische Innenministerium fördert über die Sportjugend Hessen sogenannte „Sport-Coaches“. Ein Sport-Coach sucht aktiv für seinen Verein nach Flüchtlingen, die im Verein aktiv werden können, und baut erste Kontakte zwischen Flüchtling und Verein auf.

Wann können Flüchtlinge an einer Weiterbildung teilnehmen?

Die freien Angebote aus dem Internet oder die Kiron University, die zunächst keine Dokumentenvorlage erfordern, können grundsätzlich alle Geflüchteten nutzen. Außerhalb dieser speziellen Angebote entscheidet der Asylstatus über die Frage, ab wann jemand an einer Weiterbildung teilnehmen kann. Aktuellen Nachrichten zufolge liegen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über 600.000 Anträge, die noch nicht vollständig bearbeitet oder noch gar nicht bearbeitet wurden. Anders gesagt warten über 600.000 Menschen noch auf eine Entscheidung, ob sie in Deutschland bleiben können oder nicht. Und jene mit einem positiven Bescheid begegnen dem föderalen Aufbau der Bundesrepublik Deutschland: Wer ist für die Anerkennung von Qualifikationen zuständig, wo werden die Geflüchteten registriert, wer verantwortet die Unterbringung und vieles mehr – die Umsetzung ist Ländersache und kann somit durchaus unterschiedlich gehandhabt werden. Nicht nur das Internet auch Anbieter von Weiterbildungsmaßnahmen versuchen Möglichkeiten für Flüchtlinge zu finden, um möglichst zügig Deutsch lernen zu können und über Informationen zu Chancen und Hürden auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu informieren. 

Anerkennung von Qualifikationen und Studienleistungen

Die Anerkennung bereits erbrachter Studienleistungen oder beruflicher Kompetenzen ist ein weites Feld, bei dem es darüber hinaus länderspezifische Herangehensweisen gibt. Einen ersten allgemeinen Überblick verschafft da eine Überblicksseite der Bundesregierung: Anerkennung in Deutschland.

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