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Tobias Conrad im Interview

“Persönlichkeitsentwicklung bedeutet, etwas zu verlernen”

Im Interview: Mentor und Speaker Tobias Conrad gibt einen Vorgeschmack auf seine beiden Vorträge bei der virtuellen Bildungsmesse Weiterbildung²

Von Vanessa Schäfer

Wie steht es um Ihre Personal Brand? Könnten Sie diese noch ein bisschen optimieren? Dann nutzen Sie einen Besuch der virtuellen Bildungsmesse Weiterbildung² am Donnerstag, 10. März. Dort erwartet Sie mit Keynote Speaker Tobias Conrad ein echter Experte in Sachen Personal Brand auf der Bühne. Der Bayer arbeitet unter anderem als Mentor und hilft anderen dabei, an ihrer eigenen Marke zu arbeiten. “Wenn man sich seiner eigenen Qualitäten bewusst ist, ändert das enorm viel”, sagt der Unternehmer. Bei seinem Messeauftritt referiert er um 15.30 Uhr zum Thema “Personal Brand: Mach dich sichbar für deinen Erfolg”. Am Vormittag ist bei Tobias Conrad auf der Bühne “Chill mal & gib Gas: Work-Life-Balance 4.0” angesagt. Beide Vorträge klingen vielversprechend, zumal Sie bei einem Q&A im Anschluss den Keynote Speaker mit Fragen bombardieren dürfen. Wir haben uns vorab schon einmal mit Tobias Conrad unterhalten.

Tobias, die letzten zwei Jahren haben allen von uns einiges abverlangt in Bezug auf psychische Gesundheit, Work-Life-Balance, aber auch hinsichtlich unserer Resilienz: Du bist Mentor, kennst dich damit aus. Welchen Tipp hast du auf Lager, um sich hier zu rehabilitieren?

Tobias ConradTobias Conrad: Das ist ein brennend heißes Thema. Eine Pauschalantwort für jeden von uns gibt es nicht. Was sich aber in meinen Augen wirklich immer lohnt, ist die Betrachtung: “Was habe ich denn wirklich alles?” Wir haben ja das Gefühl, dass uns durch Corona so viel weggenommen wurde. Aber wir haben dadurch ja auch vieles bekommen. Es ist plötzlich etwas mehr Freizeit, mehr Zeit zu Hause da. Es sind neue Berufsfelder entstanden. Es sind komplette Veränderungen in der Digitalisierung ermöglicht worden. Es sind so viel Sachen passiert, die heute etwas Gutes sind. Ich arbeite mit vielen Menschen, die lange Zeit nur die Perspektive hatten: “Oh Gott, nur noch Home-Office! Nur noch zu Hause! Katastrophe! Es geht nicht mehr! Ich habe nur noch einen Termin nach dem anderen. Und wenn ich mal drei Minuten für mich hätte, sind meine Kinder da.” Denen hat es geholfen, die Betrachtung zu verändern, so dass sie plötzlich mehr vom gesamten Lebenskuchen haben. Darum wird es in der Keynote auch gehen. Denn das Leben besteht ja aus vielen Bereichen. Nicht nur aus der Arbeit, nicht nur aus “Ich will meine Ziele erreichen”. Es gibt ja drum herum noch ganz viele Menschen, die einen begleiten. Und jeder, der diese Menschen in seinem Umfeld mitnimmt, hat ein ganz resilientes und bewusstes Leben und kann mit Herausforderungen viel besser umgehen.

Du hast gerade die veränderte Sichtweise angesprochen: Was macht in schwierigen Situationen ein positives Mindset aus?

Tobias Conrad: Das Beste ist, sich in schwierigen Situationen an das zu erinnern, was man an schwierigen Situationen schon gemeistert hat. In der Schule musste man ein Referat halten, an der Uni musste man irgendetwas Schwieriges machen. Man musste seinem Chef etwas Schwieriges mitteilen. Jeder von uns hat doch schon irgendwelche schwierigen Situationen erlebt. Unser Kopf löscht das alles, wenn wir gestresst sind. Da denkt er nur noch: “Ich kann das nicht! Ich schaffe das nicht!” Wenn ich mich dann wieder entsinne, dass ich so etwas in der Richtung schon einmal gemacht und gekonnt habe, dann verändert sich mein Mindset in der Tiefe.

Wie gelingt es dir persönlich trotz all dem Trubel Zeit für dich, deine Familie, deine Interessen, Zeit zum Runterkommen zu finden?

Tobias Conrad: Es ist schon eine Herausforderung alles am gleichen Ort zu haben: die Familie und das Büro. Ich fokussiere mich sehr darauf, dass ich genaue Bürozeiten habe und genaue Zeiten, die ich für die Familie einplane. Das war für mich gar nicht so leicht. Das war eine echte Herausforderung: Wenn ich mit der Familie Zeit verbringe, dass ich mich dann auch zu 100 Prozent auf die Familie fokussiere. Das ist die Gefahr, die ich bei vielen erlebe: Wenn sie bei der Arbeit sind, denken sie, sie müssten eigentlich etwas mit der Familie machen, weil das Kind im Zimmer nebenan ist. Wenn sie dann bei der Familie sind, denken sie: “Ich müsste eigentlich das und das für die Arbeit machen.” Wir zerreißen uns. Da ist ein gutes Zeitmanagement wirklich hilfreich.

Eins deiner Steckenpferde ist die Personal Brand: Wie entdeckt man denn die eigenen Stärken – und noch wichtiger: Wie verkauft man sie richtig und trägt sie nach außen?

Tobias ConradTobias Conrad: Jeder Mensch hat eine Personal Brand – ob man sich darum kümmert, oder nicht. Personal Brand ist grundlegend das, was Menschen über dich sagen, wenn du nicht im Raum bist. Personal Brand ist der gezielte Weg herauszufinden: Wie funktioniere ich? Was ist meine Strahlkraft? Was ist mein Charisma? Und wie gehe ich damit raus, dass andere Menschen das sehen, was ich habe? Das ist im Endeffekt oft das Wichtigste. Denn es gibt da die einen Menschen, die sich richtig gut verkaufen können. Und es gibt die Menschen, die sich verbesserungswürdig selbst verkaufen. Wenn man sich seine eigenen Qualitäten klar machen kann – “Dafür stehe ich… Das bin ich… Dafür bin ich bekannt” – dann wird das enorm viel verändern, egal ob man jetzt im beruflichen Kontext weiterkommen möchte oder anderswo. In vielerlei Hinsicht ist das heute der Schlüssel schlechthin.

Ich arbeite teilweise mit CEOs von Großunternehmen. Und was mir die alle erzählen, ist, dass es nicht nur um die Fachkraft geht. Es geht nicht nur darum, was ich kann. Sondern vielmehr geht es darum, was ich ausstrahle und mit wem ich wo zu tun habe. Das ist Personal Branding par excellence herauszufinden, wie ich wirke und wie ich das mit dem Faktor 10 oder 20 noch multiplizieren. Und das geht!

Du hast es gerade angesprochen: Es gibt da die, die sich richtig gut verkaufen, und die, die da noch Optimierungsbedarf haben. Kann man so ein bisschen sagen, dass das eine eher die Extro- und das andere eher die Introvertierten sind?

Tobias Conrad: Tatsächlich ja. Damals, als ich Manager war, hatten wir oft diejenigen, die einigermaßen gut waren und brutal laut. Und die sind immer die Erfolgsleiter hoch geprescht. Die anderen, die sachlich und fachlich besser, aber weniger laut waren, die sind nicht so leicht nach oben gekommen. Und das hängt mit intro- und extrovertiert zusammen. Extrovertierte haben es leichter im Umgang mit anderen Menschen und bringen sich einfach viel mehr ein. Das ist fürs Personal Brand leichter.

Das Spannende ist: Man braucht das nicht. Man kann das lernen. Es ist möglich, von total introvertiert auf ein hohes Level an Kommunikation nach außen zu gelangen. Ich habe zum Beispiel viele Klienten, die extrem introvertiert sind und die ich auf die Bühne gebracht habe… das geht! Die gute Nachricht ist: In Deutschland sind im Schnitt rund 70 Prozent der Menschen introvertiert und nur 30 Prozent extrovertiert. Wie valide diese Studie ist, weiß ich nicht, aber ich vertraue ihr, weil es für mich schlüssig wirkt. Introvertierte wissen häufig über ein Thema viel mehr Bescheid, weil sie sich viel mehr damit beschäftigen. Wenn Introvertierte dann mehr in ihre Strahlkraft hinein kommen und sich trauen zu sagen, was sie denken, lernen, wann sie etwas wie sagen können, dann passieren da echte Wunder.

Welche Rolle spielt denn beim Entdecken seiner Personal Brand das Thema Selbstreflektion?

Tobias Conrad: Das ist ein Riesenthema. So nach dem Motto: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Jeder Mensch trägt so viele Qualitäten in sich. Meistens ist es allerdings so, dass uns Sachen auferlegt werden, die uns von etwas abhalten. Für mich bedeutet Persönlichkeitsentwicklung nicht, etwas Neues zu lernen, sondern etwas anderes zu verlernen. Das ist wie eine Mumie, die ausgepackt wird. Jemand, der sich nicht traut, vor vielen Menschen zu sprechen, der hat das einfach nur verlernt. “Ich kann das nicht! Ich darf das nicht!”, das wird uns ja häufig anerzogen. Wenn ich dieses Antrainierte wieder verlerne, dann kann ich sehr viel. Es gibt viele Menschen, mit denen ich arbeiten durfte, die sich zum Beispiel nicht getraut haben, ihre Meinung wirklich zu äußern. Dieses antrainierte Verhalten haben sie dann wieder verlernt und auf einmal konnten sie das wieder. Das geht alles über Reflektion. Reflektion ist ein spannender Faktor, weil wir unsere eigene Strahlkraft damit erst wirklich entdecken.

Viele von uns sind zugleich ihre größten Kritikern. Wie kann man beim Aufbau der Personal Brand mit Selbstzweifeln umgehen?

Tobias Conrad: Das Spannende ist: Selbstzweifel hat jeder. Selbst der größte Hollywood-Star hat sie. Es gibt da einen Satz, der mich immer wieder mitnimmt: Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern Mut ist, den Weg trotzdem zu gehen. Selbstzweifel ist einer der größten Faktoren, die uns Angst machen, weil wir uns dann selbst nicht trauen. Das Wichtigste ist aber, erst einmal den Wunsch zu haben, es auch zu wollen. Da gehen wir beim Personal Branding sehr stark in die Vision hinein: Wofür willst du das eigentlich machen? Eine Personal Brand so richtig aufzubauen, ist ein Weg, der enorm viel für die Menschen persönlich und im Businessleben verändert. Wenn man anfängt, diese Klarheit zu gewinnen, wo man hin möchte, welche Vision seiner Selbst man in 15 Jahren sehen möchte, dann gehen wir in eine Starkmotivation hinein. Und dann geht es darum, diesen Weg Schritt für Schritt immer weiter zu gehen und die nächste kleine Hürde zu überwinden.

Nehmen wir als Beispiel einmal Barack Obama, der heute richtig großen Hallen füllt mit zigtausenden von Menschen. Der hatte im Kleinen begonnen vor ein paar Menschen zu sprechen, und ist dann in die Politik gekommen. Dann wurden es immer mehr und mehr. Schließlich wurde er Präsident und es ging noch weiter. Das sind diese kleinen Schritte, hier noch ein Prozent mehr, da noch ein Prozent mehr. Und dann bist du irgendwann da, wo du dir vielleicht heute noch gar nicht vorstellen kannst, dass du da jemals sein könntest.

Welche Vorteile siehst du im Arbeits- aber auch im allgemeinen Alltag, wenn man sich seiner Personal Brand bewusst ist?

Tobias Conrad: Es hat Vorteile in allem, weil ich dadurch besser kommunizieren, weil ich dadurch auch mein Gegenüber besser verstehen und besser greifen kann. Personal Branding bedeutet auch, dass ich verstehe, wie ich mit anderen besser kommuniziere, damit diese die Message besser verstehen. Somit wird man in allem wirkmächtiger. Jeder kennt wohl Menschen, mit denen er schon gesprochen hat und den Eindruck hatte: Derjenige weiß ganz genau, was er sagt, was seine Message ist und in drei Sätzen ist man total abgeholt. Das sind die kommunikativen Fähigkeiten, die man entwickelt. Beim Personal Branding kommt schließlich das Aussehen noch ein stückweit dazu, was da in das Gesamte hinein spielt. Zusammen ergibt das ein klares Bild und damit kann ich klarer aussagen, wo ich hin möchte. Das sind deutliche Vorteile, wenn ich eine andere Position erreichen oder für etwas, zum Beispiel eine Partnerschaft, kämpfen möchte. 

Welche Rolle nimmt Weiterbildung beim Schaffen der Personal Brand ein? 

Tobias Conrad: Ich weiß, es gibt Menschen, die sagen: “Du musst nichts können, du musst nur wollen.” Das sehe ich nicht so. Fachkompetenz ist heutzutage wichtiger denn je. Ich bin ein großer Fan davon zu schauen, was für mich jetzt gerade die richtige Weiterbildung ist. Da fokussiere ich mich dann zu 100 Prozent drauf. Weiterbildung ist im Endeffekt das Größte, was wir machen können, um uns, unser Leben und unser Business noch weiterentwickeln zu können. Das finde ich heute wichtiger denn je. Die Menschen und Unternehmen werden ja immer noch schneller, noch akkurater, die Ergebnisse müssen immer noch schneller erreicht werden. Und das funktioniert nicht allein durch Wollen, das funktioniert durch Weiterbildung.

Worauf können sich die Messebesucher:innen am 10. März bei deinen Vorträgen und anschließenden Q&A freuen?

Tobias Conrad: Um 11 Uhr haben wir die Keynote zur Work-Life-Balance 4.0 “Chill mal und gib Gas”. Und um diese beiden Aspekte wird es gehen: Wie wir mit der eigenen Resilienz das Leben so verändern können, um einerseits mehr Freizeit, ein cooleres Leben zu haben und dabei andererseits auch noch mehr erreichen im Job.

Nachmittags widmen wir uns dann dem Personal Branding. Da geht es dann noch mehr in die Tiefe und ich gebe auch einen Überblick: Was ist Personal Branding? Wie kannst du direkt Personal Branding für dich umsetzen? Was sind die ersten Schritte, die du machen kannst, um noch gezielter das zu erreichen, wo du hin möchtest – beruflich und privat? Ich freue mich riesig auf diesen Messetag.

Mentor Tobias Conrad freut sich auf seine Vorträge bei der virtuellen Bildungsmesse Weiterbildung² und lädt Sie persönlich dazu ein.

Wollen Sie mehr über das weitere Bühnenprogramm der "Virtuellen Bildungsmesse" erfahren?

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