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Boreout: Belastung durch Langeweile

Boreout: Belastung durch Langeweile

Erste Anzeichen, Symptome und MaĂźnahmen gegen chronische Unterforderung

Burnout ist heutzutage jedem und jeder ein Begriff: das Ausgebranntsein durch permanenten Stress und Ăśberforderung. Doch auch das Gegenteil kann krank machen. Von einem Boreout ist die Rede, wenn am Arbeitsplatz permanente Unterforderung und chronische Langeweile herrschen. Auch hier erleben Betroffene Stress, allerdings vor allem dadurch, dass ihre Potentiale ungenutzt bleiben und sie in eine Sinnkrise rutschen. 

Die Rolle der Leistungsgesellschaft

Der Weg zum Boreout ist – wie auch beim Burnout – ein schleichender Prozess. Dass es ĂĽberhaupt so weit kommen kann und Betroffene nicht offen kommunizieren, dass sie unterfordert sind oder nichts zu tun haben, hängt mit unserer Leistungsgesellschaft zusammen: Langeweile ist ein Tabu! Mitarbeiter:innen sollen leistungsstark sein und immer alle Hände voll zu tun haben. So sind wir konditioniert. Im Umkehrschluss erleben Boreout-Gefährdete wegen ihrer fehlenden oder geringen Leistung ein GefĂĽhl von Leere, ĂśberflĂĽssigkeit und Unproduktivität. 

Aufgrund der Erwartungshaltung in der Leistungsgesellschaft fällt das Outing schwer. Stattdessen sind Betroffene Meister:innen des Versteckspiels: Sie entwickeln ausgeklügelte Strategien, um viel Arbeit vorzutäuschen. Das zeigt sich etwa darin, dass sie immer extrem beschäftigt wirken, ihre Aufgaben über mehrere Tage strecken und häufig sogar Überstunden machen. Dieses Versteckspiel belastet Betroffene sehr.

Die Negativspirale

Im Zusammenhang mit Boreout wird zwischen quantitativer und qualitativer Unterforderung unterschieden. Bei quantitativer Unterforderung hat der oder die Mitarbeiter:in über einen längeren Zeitraum wenig zu tun und sitzt mehr oder weniger die Arbeitszeit ab. Bei qualitativer Unterforderung hat der oder die Mitarbeiter:in zwar zu tun, erhält jedoch Aufgaben, bei denen er oder sie seine oder ihre Fähigkeiten und Kenntnisse nicht einbringen kann und das eigene Potential nicht ausgeschöpft wird.

Der Teufelskreis eines Boreouts ist so tĂĽckisch wie einfach:

  • Der/Die Betroffene fĂĽhlt sich unterfordert und gelangweilt.
  • Dadurch sinkt das Interesse an den zugetragenen Aufgaben, worunter die Leistung leidet.
  • Als Folge werden kĂĽnftig interessante und anspruchsvolle Aufgaben von der FĂĽhrungskraft eher anderen Mitarbeiter:innen anvertraut.
  • Das fĂĽhrt zu Frust und fehlender Wertschätzung des/der Betroffenen.
  • Langfristig erfolgt hier nur noch Dienst nach Vorschrift, weil der/die Boreout-Betroffene keinen Sinn in der Tätigkeit erkennt und innerlich kĂĽndigt.
  • Diese unbefriedigende Arbeitssituation fĂĽhrt zu erheblichen Stress, Belastung und einer lähmenden Ohnmacht.
  • Häufig gehen mit einem Boreout auch Krankheitssymptome bis hin zu einer Erschöpfungsdepression einher, wodurch die Anzahl der Fehltage steigt und dem Arbeitgeber wirtschaftlicher Schaden entsteht.

Anzeichen fĂĽr ein Boreout

Phasen, in denen es bei der Arbeit nicht so prickelnd ist, gibt es immer. Auch herrschen mal Zeiten, in denen es ruhig und weniger zu tun ist. Ebenso wie es auch Aufgaben gibt, die unter den eigenen Anforderungen liegen und einem etwas monoton oder stupide vorkommen. Solange diese Phasen aber absehbar sind und sich nicht ĂĽber Monate oder gar Jahre erstrecken, ist alles noch im Rahmen. Kritisch wird es, wenn daraus ein Dauerzustand wird. 

Woran Sie erkennen können, ob Sie auf ein Boreout zusteuern:

  • Sie lassen sich bei der Arbeit gern ablenken und erledigen immer wieder Privates.
  • Sie fĂĽhlen sich gelangweilt, unterfordert und haben kein Interesse an der Arbeit.
  • Sie täuschen Ihrer FĂĽhrungskraft und den Kollegen und Kolleginnen eine hohe Arbeitsauslastung vor.
  • Sie strecken Ihre Arbeit, um keine weiteren unbefriedigenden Aufgaben zugeteilt zu bekommen.
  • Sie sehen in Ihren Aufgaben keinen tieferen Sinn.
  • Sie fĂĽhlen sich nach Feierabend erschöpft, obwohl der Tag unanstrengend und stressfrei war. 
  • Sie haben den Wunsch, den Job zu wechseln, schrecken aber zugleich davor zurĂĽck, weil die Jobsuche mit Zeit und Arbeit verbunden ist oder ein Jobwechsel mit einem finanziellen Risiko einhergeht.

Boreout: Die Symptome

Wer in einem tiefen Boreout feststeckt, erlebt ähnliche Symptome wie bei einem Burnout. Diese sind physischer wie psychischer Natur. Mögliche Symptome:

  • Antriebslosigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Schlaflosig- und MĂĽdigkeit
  • Depression
  • Kopfschmerzen
  • RĂĽckenschmerzen
  • Magenprobleme
  • Schwindel
  • Tinnitus 
  • Infektanfälligkeit

Präventive Maßnahmen gegen Boreout

Zunächst einmal können Betroffene selbst Initiative ergreifen: Sie sollten den offenen Austausch mit dem oder der Vorgesetzten suchen und können zugleich Vorschläge machen, wie sie ihre Fähigkeiten besser einsetzen können oder welche Projekte sie gerne anstoßen würden. Anspruchsvollere Aufgaben gibt es in nahezu allen Unternehmen. Man muss sie nur aktiv einfordern.

Zugleich ist auch das Handeln des Arbeitgebers gefragt, um Boreout entgegenzuwirken. Mögliche Handlungsoptionen sind:

  • Aufbrechen ĂĽberholter Arbeitsstrukturen und -abläufe
  • Ermöglichen eines flexibleren Arbeits, z.B. Gleitzeit, Home-Office
  • Gleichmäßige Verteilung der Aufgaben in einem Bereich, so dass der eine nicht vor Arbeit zusammenbricht, während sich die andere zu Tode langweilt
  • Anpassen der Aufgabenbereiche an Mitarbeiterprofile
  • Integrieren von interessanten, abwechslungsreichen Aufgaben in den Joballtag

Das Gute ist: Bei einem drohenden Boreout gibt es immer Handlungsspielraum. Der oder die Mitarbeiter:in sollte nicht beim ersten Hauch von Langeweile auf den oder die Vorgesetzte zugehen. Doch wenn sich der Zustand länger fortsetzt, ist es wichtig, nicht der Situation zu erliegen, sondern das vertrauensvolle Gespräch mit dem oder der Chef:in zu suchen. Häufig wissen Führungskräfte nicht, welches Potential in ihren Mitarbeiter:innen schlummert. Wird zugleich Zufriedenheit und Geschäftigkeit vorgegaukelt, ist es für Führungskräfte nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, dem oder der Betroffenen mit angemessenen Aufgaben gerecht zu werden. Statt aufs Ausbrennen zuzusteuern, ist hier Eigeninitiative gefragt.


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